Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 416 (sequence 426)
- Language
- German, English, Hebrew
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sehen oder die Oppenheimer'schen Vorschläge zur Durchführung gelangen sollen. Und so setzt man 250 000 Pfund ins Budget ein! Was sollen wir uns von einem Kolonisationsamt denken, welches so arbeitet! Ich kann das nur als Dilettantismus ärgster Sorte bezeichnen. Lange werden wir uns einen solchen Luxus nicht leisten können. Bis heute, nach 14 Jahren, haben wir noch keinen einzigen Versuch praktisch erprobt. Wir haben gehört, daß die landwirtschaftliche Siedlung nach dem Vorschlag Oppenh e i m e r s nicht durchgeführt wurde, wir wissen, daß der Vorschlag Dr. Ruppins nicht durchgeführt wurde, und wir wissen heute nicht, ob wir uns auf diesen Vorschlag festlegen sollen. Was haben wir im Laufe der ganzen Zeit gemacht, wenn wir heute dort stehen, wo wir 1908 waren? Herr Simon und Herr de Lieme haben Unrecht, wenn sie von uns verlangen, daß wir eine kaufmännische Kolonisation führen sollen. Wir dürfen keine kaufmännische Kolonisation führen, weil wir zwei große Aufgaben in Palästina gleichzeitig zu erfüllen haben. Wir müssen einen Umschichtungsprozeß und die Einfügung der Palästinawanderer in das Wirtschaftsleben von Palästina durchführen und für die Entwicklung eines jüdischen Kulturzentrums sorgen. Das sind kostspielige Prozesse, für die wir aus nationalen Mitteln Zuschüsse geben müssen. Aber diese Zuschüsse müssen irgendwie begrenzt werden. Ich weiß nicht, ob es zweckmäßig ist, daß wir bei einer durch eine Kwuzah ausgeführten Arbeit 16 000 Pfund, daß wir bei Ausladung eines Kohlenschiffes einige hundert Pfund verlieren, gleichzeitig es uns aber versagen müssen, 5000 Chaluzim nach Palästina zu bringen, während ein Arbeiterkorps von 5000 nichtjüdischen Arbeitern in Palästina von der Regierung unterhalten wird. Haben wir nicht die nötigen Mittel, um diese 5000 Leute nach Palästina zu bringen und ihnen Arbeit zu verschaffen, dann dürfen Defizite, wie die erwähnten nicht vorkommen. Wenn wir auf der einen Seite solch bedeutende unwirtschaftliche Defizite haben und auf der anderen Seite aber keine Mittel aufbringen, um große Arbeiten auszuführen, wohin werden wir da kommen? Auf der Jahreskonferenz in London wurde beschlossen, Palästinawanderern, die für das Aufbauwerk nötig sind und nicht die erforderlichen Reisekosten haben, Darlehen zu gewähren. Dieser Beschluß wurde aber nicht ausgeführt. Simon steht auf dem Standpunkte, daß wir uns mit den Palästinawanderern erst von der Zeit an befassen sollen, wenn sie das Schiff in Jaffa verlassen. Was früher geschieht, meint er, kümmert uns nicht. Das ist eine kaufmännische Kolonisation, aber keine nationale, keine wirtschaftliche. Wenn sich Diaspora-Handwerker melden, die sofort Beschäftigung finden würden, ihr eigenes Werkzeug haben und nach Palästina wollen, aber nicht genügend Geld für die Ueberfahrt haben, so ist es wirtschaftlicher, einem solchen Manne, der ein Idealist ist, zur Reise zu verhelfen. Diese Methode ist gewiß besser, als Leute hinzuschicken, die zwar ebenfalls von Idealismus beseelt sind und Reisespesen haben, aber dann von der Zionistischen Organisation monatelang erhalten und geschult werden müssen, um sie in das Wirtschaftsleben einfügen zu können, wogegen der fertige Handwerker sofort ins Wirtschaftsleben übergeführt werden kann. (Zustimmung.) Simon's Vorschlag bedeutet somit eine kaufmännische, aber keine nationale Kolonisation. So werden Fehler auf Fehler gemacht. Dr. Ruppin hat zum erstenmal auf die Wichtigkeit der Erziehung des Einwanderungsmaterials in der Diaspora hingewiesen. Dafür ist von der Leitung im Budget nichts vorgesehen. Wenn Sie sich die Frage vorlegen, was billiger ist, einen Chaluz im Golus beruflich heranzubilden, damit er sich in der physischen Arbeit erprobt, schon dort einsehen lernt, ob er für die Landwirtschaft geeignet ist, oder unvorbereitetes städtisches Menschenmaterial nach Palästina zu schicken, es dort monatelang wirtschaftlich zu erproben, um nachher, nachdem man große Ausgaben ge- 416