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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 389

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 389 (sequence 399)
Language
German, English, Hebrew
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Agronom Dyk (fortfahrend): Ich gebe den Dingen radikale Namen, um mich verständlich und deutlich zu machen. Im Laufe meiner Ausführungen werden Sie sehen, wo ich eigentlich hinaus will. Aus diesen Gründen und auch aus einem absolut außerwirtschaftlichen Prinzip, auf das ich hier nicht eingehe, weil ich es nicht für zweckmäßig halte, darauf hier einzugehen, mußte der Versuch unterbleiben. Wenn auch dieser Versuch nicht durchgeführt werden konnte, so ist es doch wichtig zu wissen: Ist wenigstens diese mit Mühe, Kosten und Aufopferung geschaffene und zweckmäßig organisierte Wirtschaft in günstiger Lage bestehen geblieben oder nicht? Und nun muß ich auf Grund der Nachrichten und des von den hier anwesenden Palästinensern Gehörten konstatieren, daß der Betrieb, den ich im Jahre 1914 als in Ordnung gebrachte Gutswirtschaft zurückgelassen habe, es heute nicht mehr ist. Ich gehe nicht auf die Ertragsfähigkeit ein und nicht darauf, wie der Betrieb jetzt technisch und organisatorisch geleitet wird. Tatsache ist, daß die alte Arbeiterschaft insgesamt den Betrieb verlassen hat und daß jetzt in Merchawiah eine ständig wechselnde Arbeiterschaft den Betrieb wieder primitiv bearbeitet. Ich kann mir als Berufslandwirt unter solchen Umständen keine Vorstellung machen, daß dieser Betrieb ordentlich nach allen Richtungen funktioniert. Ich nehme an, daß auch die Arbeiter, die die Verhältnisse kennen, zugeben werden, daß in Bezug auf Organisation, Technik und im Ertrag Merchawiah seit 1914 zurückgegangen ist und daß dieser Rückgang nicht eine Folge des Krieges und der Nachkriegszeit ist, sondern im Zusammenhange steht mit diesen Dingen, die ich hervorgehoben habe. Auch die anderen Farmen, die dem Nationalfond angehören, haben eine fluktuierende Arbeiterschaft, bringen keine Rente und dies hauptsächlich als Folge der Arbeiterpolitik, wie sie die Arbeiterführer dort treiben und die, was weit schlimmer ist, von den beamteten Leitern der Kolonisation gepflegt und gefördert wird. Welche Politik verfolgen eigentlich die Arbeiterführer für die Arbeiterschaft in Palästina? Dies ist, glaube ich, die Ursache, daß alle Institutionen mit den jüdischen Arbeitern nicht gelingen und nicht gelingen können trotz der Aenderung der verschiedenen Betriebsformen. Die Führer der Arbeiterschaft in Palästina haben dieselben Methoden, dieselben Schlagworte und dieselben Tendenzen, wie sie für die Sozialdemokratie der Weststaaten Europas und Amerikas in Anwendung sind, für Palästina proklamiert und durchgeführt. Nun ist es gewiß das Recht einer Arbeiterschaft, sich ihrer Klasseninteressen bewußt zu werden und für diese zu kämpfen. Aber sind denn unsere jungen Leute, die nach Palästina gehen, nur Vertreter einer bestimmten sozialen Klasse? Sind das Menschen, die lediglich aus wirtschaftlichen Gründen nach Palästina gehen? Ich verneine das. Unsere Arbeiter, die nach Palästina kommen, sind in der Hauptsache Leute, die zufällig oder aus nationalen Gründen hinkommen und die meisten haben das Bestreben, die Landwirtschaft zu erlernen mit dem Ziele, landwirtschaftliche und gärtnerische Siedler zu werden. Sie sind also nicht das, was die kompakte Majorität der Proletarier der Weststaaten Europas und Amerikas ist, sondern ganz etwas anderes. Sie erstreben ein kleinbürgerliches Ziel. In ihrem sozialen Streben sind sie absolut anders geartet als die großen Massen der Großstädte Europas und Amerikas. Wenn sie aber so sind, dann können und dürfen sie nicht Methoden anwenden, wie sie für andere Zwecke in Europa angewendet werden. Unsere Pioniere müssen unter größten Opfern und Entbehrungen das Land okkupieren und die schwierigste Arbeit im Aufbau unseres nationalen Heims leisten. Sie haben das Recht als Aequivalent hierfür eine berufliche Ausbildung mit der Aussicht auf spätere Ansiedlungsmöglichkeit zu beanspruchen. Wird ihnen die Ausbildungsmöglichkeit geboten und steht ihnen in Aussicht die Möglichkeit der Ansiedlung, dann 389

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