Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 382)
- Language
- German, English, Hebrew
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soweit als tunlich unter Ausschluß der alten Methoden erfolgen müssen, zum mindesten für unser neues Ansiedlungswerk. Ich bitte Sie, in jenen beiden Anträgen der Exekutive für Soskins Siedlungsplan und für die Gartenstadt keinesfalls Einzelheiten zu erblicken; es sind Grundpfeiler eines Systems der Intensivierung, einer billigen und volksmäßigen Kolonisation. Diese und ähnliche Formen werden unsere weitere Arbeit bestimmen müssen. Denn wenn Sie die bisherigen Formen mit ihren Anforderungen von viel Geld, viel Land und viel Zeit weiter verfolgen wollen, wird unser Werk zunichte werden, und wir werden unsere Privilegien für Palästina nicht in beliebig langen Zeiträumen ausnützen können, sondern sie sehr schnell verlieren. 4. „In der Landwirtschaft ist unser neues Siedlungswerk auf Selbstarbeit zu stellen und das Lohnarbeiter system nach Möglichkeit, die Schaffung eines Standes dauernder Arbeiterschaft grundsätzlich auszuschließe n." Ich muß sagen — und damit richte ich ein paar Worte an unsere Arbeiter, hauptsächlich an die in Palästina selbst — ich verstehe es nicht, wie unsere Arbeiterschaft scheinbar einverstanden sein kann mit einer Kolonisation mit hohen Kostenziffern, mit großem Landausmaß und mit der Schaffung eines dauernden Landarbeitertums. Die Formen der intensivsten und billigsten Kolonisation ermöglichen es den breiten Massen des jüdischen Volkes — solchen mit eigenen und solchen ohne eigene Mittel, mit weitestgehender Gleichheit der Bedingungen sich in Palästina anzusiedeln. Mit gleichem Landausmaße — wenn auch nicht in absoluter Form; das verhindert die verschiedene Qualität der Böden — und zwar kleinem Landmaße; denn durch die Arbeit sollen wir wirken und nicht durch die Flächen Landes und durch große Mengen von Geld. Ich darf hierzu vielleicht einige Worte mehr einflechten — denn hier liegt einer der großen Fehler in unserer bisherigen Kolonisation. Wir haben bei uns eine Psychologie der Ansiedlung, die sich um so w o h 1 e r fühlt, je mehr Land sie bekommt und je mehr Geld ihr zur Verfügung steht, alles deshalb, weil unsere Kolonisation zu wenig auf die eigene Arbeit und auf die eigenen Mittel gestellt ist. Mit fremdem Geld oder solchem, das einem von anderen gegeben wird, läßt man sich leicht verführen, mehr Geld als nötig auf Land auszugeben. Aber verführerisch und kolonisatorisch sind Gegensätze. Wir haben ein kleines Land, wir haben für viel Leute zu sorgen und haben wenig Geld zur Verfügung. Und wenn das klar ist, so folgt eben zwingend daraus, daß wir mit Land und mit Geld sparsam umgehen müssen, daß wir ein Maximum an Ansiedlung mit wenig Geld und wenig Land erzielen müssen, und daraufhin muß unsere ganze Arbeit angelegt sein. 5. „Die städtische und industrielle Kolonisation soll in möglichst weitgehendem Maße in gartenstädtischen Formen durchgeführt werde n." Das ist bereits im Referate auseinandergesetzt. Die alte städtische Form, das alte Jerusalem, Jaffa, Tiberias, ist keine Kolonisationsform, der wir nachstreben können; aber auch die alte Kolonie ist keine gute Form. Die Kolonie mit durchschnittlich 200 Einwohnern, oder gar — bei 60 Kolonien von unseren 65 — ein Durchschnitt von unter 100 Einwohnern ist keine erstrebenswerte Kolonisationsform. Wir brauchen 372