Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 354 (sequence 364)
- Language
- German, English, Hebrew
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Das war zumindest die Meinung der Regierung. Anderseits machte sie darauf aufmerksam, daß kaum irgendwelche industrielle oder landwirtschaftliche Unternehmungen gegründet worden waren: keine neue landwirtschaftliche Siedlung war errichtet, keine Bauarbeit war im Gang. Zu jener Zeit waren ungefähr 1500 Chaluzim beim Straßen- und Eisenbahnbau beschäftigt; wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, so hätte sich die Zionist Commission — es wurde darauf hingewiesen — mit der Lösung des schwierigen Problems der Arbeitslosigkeit zu befassen gehabt. . Hier muß ein Wort der Erklärung eingefügt werden: die Regierung unternahm den Straßenbau nicht, um jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Bau und Reparatur der Straßen war unbedingt notwendig. Angebote für diese Arbeiten wurden eingereicht, und wo sie jüdischen Arbeitern übergeben wurden — sie erhielten nicht alle — war ihr Angebot das niedrigste gewesen. Von Vorzugsbehandlung war nie die Rede, noch erwartete sie jemand. Die jüdischen Arbeiter erhielten die Kontrakte durch eigenes Verdienst. Die Dinge waren in diesem Stadium zwischen der Regierung und der Zionist Commission angelangt, als die Maiunruhen ausbrachen. Es ist Ihnen bekannt, daß eine der ersten Verfügungen der Regierung die Immigration einstellte; in ihrer Bestürzung gestattete sie nicht einmal, daß die Schiffe, die zu dieser Zeit auf dem Wege nach Palästina waren, ihre Passagiere ans Land setzten. Als am 4. Mai Herr Sokolow und die Mitglieder der Zionist Commission in Jaffa waren, wurden wir durch eine telephonische Mitteilung aus Jerusalem überrascht, wonach die Regierung die Einwanderung eingestellt habe. Die Zionist Commission erhob zwei Forderungen: 1. Es solle eine öffentliche Mitteilung betreffs der Immigration unterbleiben, bis wir Vorstellungen erheben könnten, 2. die sich zur Zeit in palästinensischen Gewässern nähernden Schiffe sollten ihre Passagiere landen dürfen. Obgleich wir einige Tage hofften, daß diese Wünsche erfüllt werden würden, und obgleich wir unsere Proteste bis zur Ankündigung unseres Rücktrittes trieben, erfuhren wir, daß wir in beiden Beziehungen eine Absage erhielten. Die Schwierigkeiten und Leiden der Unglücklichen, die von Palästina zurückgeschickt wurden, weil ihre Brüder in Jaffa getötet worden waren, sind Ihnen bekannt. Ich kann nicht sagen, die Regierung sei in der Methode, nach der sie die Einstellung der Immigration kundmachte, glücklich gewesen. Es geschah dies anläßlich einer Ansammlung in Ramleh, beim Feste Nebi Salich. Eine ähnliche Ankündigung wurde in Jaffa durch den städtischen Ausrufer vor einer arabischen Menge gemacht; in Haifa erfolgte sie in etwas passenderer Art. Natürlich betonten wir, daß die Einstellung der Einwanderung von den Arabern als eine Prämie für die Exzesse angesehen wurde; neue Schwierigkeiten würden entstehen, sobald die Einwanderung 354