Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 362)
- Language
- German, English, Hebrew
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gehöre, die gleich nach der Balfour-Deklaration mit Präsidenten Dr. Weizmann nach Palästina gingen. Ich habe über die Frage der Immigration mit verschiedenen Verwaltungsorganen der englischen Regierung wiederholt gesprochen, zuletzt mit Herbert Samuel in den ersten Maitagen und am 3. Juni 1921. Die Immigrationsfrage ist für mich eine der bedeutendsten Fragen unseres wirtschaftlichen Lebens in Palästina, ein Kernpunkt unserer Oekonomie. In einer Auseinandersetzung mit Sir Herbert Samuel sagte ich ihm einmal, wenn Sie nicht auf dieser Immigration bestünden, wäre es vielleicht besser, auf die ganze Balfour-Deklaration zu verzichten. Wenn es zur Frage kommt: Immigration oder Balfour-Deklaration, würde ich vielleicht die erstere wählen. Diese Auseinandersetzung habe ich später in einer Sitzung des Waad leumi mitgeteilt und daraus entstand wahrscheinlich die Legende, ich habe den Rat gegeben, auf die Balfour-Deklaration zu verzichten. Ich muß gestehen, das war nicht meine Meinung. (Unruhe.) Vizepräsident Berlin: Ich bitte die Delegierten, Ruhe zu halten und den Redner nicht zu stören. Berichterstatter Dr. Eder (fortfahrend): Gewiß war das nicht meine Meinung. Ich verstehe das so. Wenn wir keine Deklaration hätten und Palästina bliebe eine englische Kolonie, dann könnte man den Juden durch Bereitung großer Schwierigkeiten ausschließen. Aber wenn wir die Balfour-Deklaration haben und die Juden nicht hineingehen können, so hilft das gar nichts. Das ist die Erklärung. Ich werde Ihnen ganz kurz über die Immigration berichten. Während der Militärverwaltung in Palästina blieben die Verhältnisse bezüglich der Einwanderung unklar und ungeregelt. Bei der Einsetzung der Zivilverwaltung am 1. Juli 1920 unternahm die Zionist Commission sofort Schritte zwecks Klärung der Lage. In einer Unterredung mit dem High Commissioner am 2. Juli 1920 wurde es klar, daß freie, unkontrollierte Einwanderung nach Palästina nicht gestattet werden würde. Die Zionist Commission wurde aufgefordert, eine Schätzung der Personenzahl vorzulegen, für die in dem nächsten Halbjahr Arbeit geschaffen werden könne. Das Ergebnis der Verhandlungen mit der Regierung war die Festsetzung zweier Kategorien von Einwanderern. Die erste Klasse waren freie Einwanderer, das sind Personen, welche ihre Einreiseerlaubnis direkt von den britischen Paßämtern oder Konsuln ohne Vermittlung der Zionistischen Organisation erhalten würden. Die zweite Klasse waren Einwanderer, bezüglich derer die Zionistische Organisation die Verantwortung übernahm, Arbeit für sie zu finden oder sie während einiger Jahre zu unterstützen. Damals — es war vor 352