Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 332)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4622-3480766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
städtische Hypothekenbank sich durch Ausgabe von Hypothekenbriefen ohne Schwierigkeiten große Kapitalien aus privaten Kreisen wird beschaffen können. Die Aufbringung dieser Gelder würde aber sehr erschwert werden, wenn man die städtischen Hypotheken mit den landwirtschaftlichen verkoppelt, die bei weitem nicht dieselbe Sicherheit und dieselben Zinsen bieten können wie die städtischen Hypotheken. Die Agrarbank oder der Agrarfonds ist notwendig und er kann und muß nach geschäftlichen Grundsätzen arbeiten. Aber er wird wenigstens in den nächsten 10 Jahren ihre Kapitalien nicht von Privatkapitalisten, sondern nur aus den Geldern der Zionistischen Organisation, bzw. des Keren Hajessod beziehen können, da die Hypotheken, welche er gewährt, infolge ihrer langen Amortisationsdauer und ihres niedrigen Zinsfußes dem Privatkapital keinen Anreiz bieten. Als eine weitere notwendige wirtschaftliche Institution sehe ich einen Kolonisationsfonds oder eine Kolonisationsgesellschaft an. Ihr Zweck soll sein, landwirtschaftlichen Ansiedlern solche Darlehen zu geben, welche wegen mangelnder hypothekarischer Sicherheit von dem Agrarfonds nicht gegeben werden können. Seit mehr als 10 Jahren habe ich immer von neuem darauf hingewiesen, daß eine landwirtschaftliche Kolonisation unmöglich ist, wenn wir nicht einen solchen Kolonisationsfonds schaffen. Der Nationalfonds, der dem Ansiedler lediglich den Boden gibt, ist ein Messer ohne Klinge und ist nicht imstande, seine Funktionen zu erfüllen. Der Boden allein stellt etwa 25 Prozent der gesamten Ansiedlungskosten dar. Wenn wir annehmen, daß der Agrarfonds durch Gewährung einer ersten Hypothek auf die Gebäude weitere 25 Prozent der gesamten Anlagekosten beisteuern kann, so bleiben immer noch 50 Prozent der Anschaffungskosten offen. Es ist, wenn wir als Ansiedler hauptsächlich diejenigen Leute ins Auge fassen, die bereits viele Jahre in Palästina arbeiten und sich landwirtschaftliche Kenntnisse erworben haben, keine Aussicht, daß diese Leute die fehlenden 50 Prozent aus eigenen Mitteln beisteuern können. Es wird schon viel sein, und es ist mir zweifelhaft, ob es diesen Leuten gelingt, einen kleinen Betrag von 5 bis 10 Prozent aus ihren eigenen Mitteln beizusteuern. Der Rest muß dann aus dem Kolonisationsfonds in der Form von Darlehen gegeben werden, und zwar müssen diese Darlehen sich in Bezug auf RückZahlungstermine und Zinsfuß den schwierigen Bedingungen anpassen, unter denen jeder landwirtschaftliche Ansiedler in Palästina am Anfange leidet. 3. Als eine weitere wirtschaftliche Gesellschaft, deren Gründung notwendig ist, sehe ich ein Institut für Industriekredite an, welches nicht nur industriellen Unternehmungen solche Kredite geben soll, die über einen kurzfristigen kommerziellen Kredit hinausgehen, sondern das auch bei der Prüfung und Ausführung von industriellen Projekten mithelfen soll. 322