Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 260 (sequence 270)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4560-3480704
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Manifest. Alle diese Sachen sind sehr schwer gegangen und die Arbeit wurde sehr schwierig. Und in derselben Zeit saß in London in einem von der Zentrale entfernten Hotel, fern von der Arbeit, Herr Brand eis mit Herrn F1 e x n e r und arbeiteten an dem Projekt einer Agrarbank. Ich fragte nun Herrn Simon, ob ihm etwas bekannt sei, und er antwortete, nein. Als jedoch zwei, drei Tage vergingen, hörte ich, daß man den Amerikanern die Erlaubnis gegeben habe , die Agrarbank zu gründen. Ich hatte sonst immer gehört, daß der Keren Hajessod keine Konkurrenz haben dürfe, wir haben immer darauf bestanden, daß wir nur eine Sammlung haben und daß alle Gelder durch den Keren Hajessod gehen sollen. Die Einrichtung der Agrarbank verstieß gegen diese Prinzipien. Die Agrarbank sollte von Nichtzionisten gegründet werden. Herr SimoJi sagte: Die Exekutive hat diese Agrarbank bewilligt. TDa aber zu jener Zeit niemand von den Mitgliedern der Exekutive in London war, so folgt daraus, daß Simon allein eine Sitzung abgehalten und die Agrarbank bewilligt hat. Ich war niemals dafür, daß wir die Arbeit für den Keren Hajessod nur mit reichen Leuten beginnen. Für uns war es ein Volksfpnd und ich konnte in dieser Hinsicht mit den Herren nicht in Uebereinstimmung kommen. Man hat mich und F e i w e 1 eingeladen und folgende Bedingungen vorgeschlagen: 1. Daß jede Publikation vorher von der Exekutive begutachtet werden muß. (Mitglied des A.C. Dr. Georg Halpern: Sehr vernünftig!) Ich weiß es nicht, ich werde mit Ihnen später darüber reden, was vernünftig ist. Wir mußten doch unser Programm veröffentlichen. Von allen Seiten wurden wir gedrängt, unser Programm und unser Budget zu veröffentlichen. Wir mußten dies alles ausarbeiten und denken Sie, wie sehr wir darin behindert waren, wenn wir mit allem, was wir machen wollten, zu einem Sekretär der Exekutive hätten gehen sollen. Man kann unter solchen Umständen einen Menschen nicht zwingen, bei der Arbeit zu bleiben. Wir sahen, daß eine neue Wendung eingetreten war, die gegen die Beschlüsse der Konferenz ging. Und da haben wir demissioniert. Wir wollten aber nicht in den Zeitungen gegen London oder Jerusalem Stimmung machen und haben nicht in der Presse angezeigt, daß wir zurückgetreten sind. Wir mußten demissionieren, denn wir sahen, daß man unsere Arbeit für nichts hielt. Ich habe einen Brief an Simon, der inzwischen abgereist war, geschrieben, er möge mir verzeihen, aber ich ginge weg. Ich habe an die Agrarbank erinnert. Herr Simon zitierte hier einen Brief an mich. Es ist alles wahr, Herr Simon hat aber nicht alles vorgelesen. Während seiner Anwesenheit in London erklärte Herr Simon, er wisse nichts von der Agrarbank, und in diesem Briefe brachte er klar zum Ausdruck, daß die Agrarbank von ihm am Tage seiner Abreise bewilligt worden sei. Wir sahen, daß alle Programme und alle Sachen, die wir ausgearbeitet hatten, zugrunde gingen und alles zerstört wurde. Vor meiner Abreise gab es noch eine andere Geschichte. Es hat zum Budget Geld gefehlt und man hat sich nach Rat umgesehen. Da haben die Amerikaner Geld vom Keren Hageullah genommen, man hat einen Brief auf 40 000 Dollar auf Rechnung der Schekelgelder herausgegeben und in der Bank diskontiert. Ich habe dieses Vorgehen als gegen alle Regeln der Organisation verstoßend betrachtet. Das hat alles nicht die Exekutive getan, sondern nur die Herren Simon und de Lieme, die beiden Männer, die immer gesagt haben, daß sie regelrecht und ökonomisch arbeiten wollen. Auf dem Wege nach Paris habe ich schon Flexner getroffen. Er ist nach Amerika zurückgefahren und ich fragte ihn, wie wollt ihr die Agrarbank machen? Er sagte darauf, er wisse nicht, ein wie hohes Kapital notwendig sei und was mit dem Pfandbrief sei. Als ich ihn fragte, ob er die Projekte gesehen habe, die wir in der Finanzkommission ausgearbeitet haben, erwiderte er, daß er davon keine Kenntnis habe. Das soll eine Organisation sein! 260

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.