Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 261)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4551-3480695- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kongreß und Sitz und Stimme in den Kommissionen bekommen würden, sich auf etwa 70 beläuft. Ich bitte das Präsidium, darüber wenn möglich ohne Debatte abstimmen zu lassen. Delegierter S. Goldenberg (Rußland, spricht jüdisch): Ich halte den Vorschlag für nicht akzeptabel. Es war keine Möglichkeit, in Rußland Wahlen zu machen. Wenn in einem Lande so katastrophale Erscheinungen zutage treten wie heute in Rußland, dann muß eine Ausnahme gemacht werden und es muß im Hinblick auf die unmenschlichen Verhältnisse, die dort heute existieren, der russischen zionistischen Organisation das Recht eingeräumt werden, als vollberechtigte Mitglieder am Kongreß teilzunehmen. Ich schlage deshalb vor, man möge einen Modus finden, um den gewählten Vertretern der russischen Delegation Sitz und Stimme im Kongreß zu gewähren. Delegierter Dr. Soloweitschik: Ich erlaube mir mitzuteilen, daß der Permanenzausschuß nicht weniger als 6 Stunden der Frage der russischen Mandate gewidmet hat. Er hat sie mit größter Gewissenhaftigkeit behandelt. Es wurden verschiedene Vorschläge gemacht, man hat Beratungen mit russischen Delegierten gehalten. Der Antrag befriedigt vielleicht nicht die russischen Kollegen, aber es ist ein Beschluß des Permanenzausschusses und jetzt die Sache noch einmal vor den Permanenzausschuß zu bringen, würde zu keinem Resultate führen. Ich beantrage daher im Namen des Permanenzausschusses, dessen Antrag anzunehmen. Vizepräsident Motzkin: Wir können den Permanenzausschuß nicht noch einmal damit befassen. Es ist darüber zur Genüge diskutiert worden. (Zwischenruf: Es muß doch einer dagegen sprechen können!) Delegierter Dr. Arnold Barth (Misrachi-Deutschland, spricht deutsch): Ich glaube, daß wir hier über eine Frage abstimmen wollen, ohne uns ihrer Tragweite bewußt zu sein. Ich möchte vorausschicken, daß ich nicht als Vertreter meiner Fraktion, sondern rein persönlich spreche, nachdem mir ebenso persönlich verschiedene Mitglieder des Permanenzausschusses und verschiedene Fraktionen mitgeteilt haben, daß sie auf meinem Standpunkt stehen. Wir halten es für undenkbar, daß man durch einen Akt wie den jetzt geplanten, den Kongreß um etwa 25 % der Stimmen oder auch bloß der beratenden Mitglieder vermehren soll. Der Kongreß setzt sich aus den verschiedensten Parteien zusammen, gewählt nach dem Proportionalwahlsystem unter den strengsten Vorschriften. Es sollen nun plötzlich 70 Personen, ganz gleich ob sie das Stimmrecht haben oder nicht, die Beratungsmögiichkeit haben und durch die Möglichkeit der Anwesenheit im Saal, durch Applaudieren usw. in die Verhandlungen eingreifen können. Dies würde das Bild des Kongresses absolut verfälschen. Abgesehen von innerpolitischen Gründen, halte ich es auch aus außenpolitischen Gründen für unzulässig. Unter den heutigen Verhältnissen haben wir das Recht, uns als Parlament des Zionismus zu bezeichnen. Wenn wir nun durch einen Akt der Willkür uns um 25 % vermehren, die nach ganz andern Gesichtspunkten zusammengesetzt sind als die bisherigen Delegierten, sind wir nicht mehr ein Parlament, sondern das Zerrbild eines Parlaments. Ich bitte daher dringendst, ohne daß ich weiß, in welcher Art die Parteien hier zusammengesetzt wären, den Antrag abzulehnen. (Lebhafte Zwischenrufe. — Lärm.) Vizepräsident Motzkin: Das Wort hat jetzt ein Vertreter der russischen Zeire Zion. 251