Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 255)
- Language
- German, English, Hebrew
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gezogen und haben ihnen die Macht über die schweren Dollars und über die jüdischen Körperschaften gegeben. Es ist ein Faktum, an dem niemand zweifeln kann, der das jüdische Leben kennt: wenn die amerikanischen Organisationen Polen, Litauen und die andern Orte verlassen werden, dann werden sie anstatt gefestigte nationale Organisationen, anstatt konsolidiertes jüdisches Leben, statt einer konzentrierten Macht im jüdischen Leben, die auf den jüdischen Massen aufgebaut ist, eine Wüstenei hinterlassen und der Prozeß der nationalen Konsolidierung wird auf lange Jahre aufgehalten sein. (Lebhafte Zustimmung.) Dies eine Beispiel soll Ihnen illustrieren, zu welchen Resultaten diese Einseitigkeit führt. Ich gehe zum zweiten Grundprinzip über, welches von der Opposition aufgestellt wurde: wir müssen große Kapitalien haben, denn ohne sie werden wir nichts ausführen können. Die Massen können uns aber keine großen Kapitalien geben, wir müssen daher zu denen kommen, die sie uns geben können und ihnen müssen wir es möglich machen, mit uns mitzuarbeiten; sie werden in die Zionistische Organisation nicht eintreten, wir müssen ihnen daher auf andere Art die Arbeit für Palästina ermöglichen. Konsequenterweise kommt man dann zum Resultat, daß wir die Palästinaarbeit von der Zionistischen Organisation trennen und sie von dem Kongreß losreißen müssen. Wenn Jabotinsky sagt, die Exekutive werde damit besser auskommen, so meine ich, daß man da auf einem gefährlichen Boden, auf einer schiefen Ebene steht. Jabotinsky sagte, wir müssen eine Hälfte der Macht im Keren Hajessod den Nichtzionisten übergeben. Das wird aber dazu führen, daß niemand zu uns kommt, denn die Hälfte der Stimmen kann niemanden locken. Das Grundübel besteht darin, daß wir, statt unsere Organisationen zu festigen, Institutionen schaffen, die ihre eigene Logik und ihre eigenen Entwicklungswege haben. Das sehen wir an dem Beispiele des N a t i o - n a 1 f o n d s. Wozu brauchte der Nationalfonds eine besondere Konferenz zu veranstalten? Wer hat ihm das Recht gegeben, über unsere Agrarpolitik in Palästina zu entscheiden? Ist das nicht die alleinige Befugnis des Kongresses? (Sehr richtig!) Sind das private Institutionen, dann verstehe ich das. Wenn sie aber mit uns konkurrieren wollen, dann ist das gefährlich. Vizepräsident Dr. Kiumel: Auch Ihre zweiten zehn Minuten sind um. Delegierter Grünbaum (fortfahrend): Ich habe gesagt — und damit will ich schließen: Wir sind noch im Erew Schabbes und da muß man getreue, sichere Menschen auf der Wacht haben, welche Waffen in der Hand halten und sich nicht abschrecken lassen. Jeder von uns sagt sich im Herzen, daß wir vor solchen Möglichkeiten stehen, daß wir mit Sachen zu tun haben werden, für die man ein eisenstarker Zionist sein muß. Wenn wir uns in einer solchen Periode befinden, dann übergeben wir nicht die Macht Menschen, welche nicht sicher und nicht fest sind. Ich will kein schlechter Prophet sein. Aber es scheint mir, daß wir uns am Anfange einer schweren Epoche befinden, die reich an schweren Prüfungen sein wird. Vor kurzem, als wir noch bergauf gingen, als wir dachten, daß der Sabbath schon da ist, da kamen viele Menschen zu unserem Sabbathtisch. Man kam von rechts, von der Mitte und in Amerika auch von links. Aber heute sieht man, daß der Erew Schabbes noch nicht vorbei ist, daß er noch lange dauern wird, und da ist es kein Zufall, daß hier diejenigen fehlen, die vor kurzem vielleicht unsere Tribüne geschmückt 245