Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 221)
- Language
- German, English, Hebrew
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war dies nur eine kleine Korrektur der Fehler, die sie in London gemacht hatte. Herr Julius Simon spricht wegen bemittelter Emigration. Auf dem 10. Kongreß, als es um die zionistische Bewegung sehr schlecht stand, hat man zum ersten Male nicht nur von der Emigration nach Palästina, sondern auch in andere Ländern gesprochen. Man hat verstanden, daß der Zionismus, wenn er nicht dazu Stellung nimmt, in einen Hilfsverein verwandelt wird. Der 10. Kongreß ist vorüber, die Zeiten haben sich geändert. Nach der Balfour-Deklaration und nach San Remo sind eine Reihe Zirkulare herausgekommen, worin die Leitung gesagt hat, man solle nicht vor der Zeit nach Erez Israel gehen. Hat nicht W e i z m a n n, als er nach Amerika ging, die Emigration als Propagandaargument ausgenützt, die illegale Emigration, die gegen den Willen der Leitung nach Erez Israel gegangen ist? (Lebhafte Zustimmung.) Hat er sich nicht auf die durch die Chaluzim in Palästina geleistete Arbeit berufen? Aber was für Schwierigkeiten hat man da gemacht! Im Jahre 1919 hat man ein Palästinabüro gegründet. Dieses Büro hatte 4 Abteilungen und hat verschiedene Projekte gemacht, die sonst keinen Wert hatten, als daß sie Geldausgaben verursachten. Praktische Arbeit hat dieses Büro nicht geleistet. Die jüdischen Massen, die sich selbst opferten, kamen und forderten Arbeit. Aber denen machte man Schwierigkeiten. 1% Jahre dauerte es, bis man in London eine Konferenz einberief. Da hat schon eine andere Atmosphäre geherrscht. Man ist zum Entschluß gelangt, daß mit der Arbeit begonnen werden muß. Aber was hat man da getan? Gar nichts. Es kamen die blutigen Tage in Erez Israel und der Waad Haleumi, das von uns anerkannte Organ des Jischuw, kam und schrie: Kommt nach Erez Israel. Denn dort weiß man, daß nur die Einwanderung unsere Produktion in Palästina stärken kann. Die Förderung der Einwanderung ist doch der einzige Prozeß, durch den man eine Verbindung des Galuth mit Erez Israel herstellen kann. Dieser Prozeß wird aber nicht unterstützt. Man hat Gelder für verschiedene Zwecke verwendet. Dem Pariser Komitee wurden 803 Pfund zugewiesen, dem Generalsekretär der Zionistischen Organisation hat man 565 Pfund gegeben, dem „Haolam" 3854 Pfund. (Hört! Hört!) Sie alle, meine Herren, kennen doch den großen erzieherischen Wert des Haolam. Die Delegation nach Palästina hat 1261 Pfund gekostet. Und für Emigrationszwecke wurden für die Zeit von 9 Monaten im ganzen 225 Pfund ausgeworfen. Ich frage Sie, ob dies richtig ist, ob es richtig ist, daß der Sekretär, der nach Serbien und Bulgarien und erst 1% Jahre später nach Warschau kam, 565 Pfund erhalten hat, und daß die Arbeiteremigration, die für das ganze Volk von außerordentlicher Bedeutung ist, nur 225 Pfund bekommen hat. Man hat die Chaluzim zum Joint geschickt, damit sie dort etwas Weißbrot bekommen. Mit 225 Pfund kauft man sich von einer Pflicht nicht los. Und dann fragt man noch: Jüdisches Volk, was hast Du getan? Ich spreche zu Ihnen nicht als Mitglied einer Fraktion. Der Zionismus ist in Gefahr und ich frage: wo ist unser Gewissen? Die Leitung soll kommen und sagen, wo sie gewesen ist. Wir hatten die Erlaubnis, 16 500 Familien nach Palästina zu bringen. Hat man dies getan? Nein. Man hat sich ins Land hineinstehlen müssen, man mußte auf unterirdischen Wegen ins Land kommen. Es ist leichter, in Warschau ein englisches Visum zur Reise nach Palästina zu bekommen, als von unserer Leitung ein Zertifikat. Man erzählt uns, daß wir kein Geld haben. Verwenden Sie das Geld nicht für Beamte, sondern für Chaluzim. Man braucht nicht so viel Sekretäre. Vertrauen Sie der Bewegung selbst. Geld wird immer da sein, sobald wir Leistungen sehen werden. (Zwischenrufe.) Wir haben der Leitung ein Memorandum geschickt, man hat uns immer geantwortet: „Euer Brief wird in Behandlung gezogen werden", aber bis heute ist keine 14* 211