Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 209)
- Language
- German, English, Hebrew
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unserer großen Freude über diese Tatsache Ausdruck gebe und unsere Brüder mit einem herzlichen Scholem Alechem begrüße. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Motzkin: Das Wort hat nun Herr Dr. K o 11 e n s c h e r. Delegierter Dr. Max Kollenscher (Binjan Haarez, Deutschland, spricht deutsch): Hoher Kongreß! Von all den Deklarationen, die zu den Beschlüssen von San R e m o gegeben wurden, scheint mir die eine die wichtigste zu sein, weil sie die wahrhaftigste ist, daß nämlich San Remo für uns nur eine Chance darstellt, daß es die Aufgabe des jüdischen Volkes ist, diese Chance auszugestalten und aus ihr ein jüdisches Palästina zu machen. Wir haben zu arbeiten; und wenn ich von dieser Deklaration ausgehe, dann muß ich sagen, daß wir bisher auf dem Wege nicht vorwärts gekommen sind. Die Berichte aus Palästina, die vorliegen, zeigen, daß das Land darniederliegt. Die Berichte über die Lage der Judenschaft, die wir kennen und die wir erlebt haben, beweisen, daß die Judenschaft nach wie vor zerklüftet ist und uns fernsteht, und wir sehen, daß die Leitung nichts getan hat, um auf diesem Gebiete eine Besserung herbeizuführen. Es ist nicht gelungen, weitere Kreise zu uns heranzuziehen. Man hat sogar mit Erfolg daran gearbeitet, Kreise, die bei uns waren, wieder fortzudrängen. Ich will auf Amerika nicht eingehen; dieses Thema ist von denen behandelt worden, die mehr von der Sache verstehen und sie mehr erlebt haben als ich. Aber in der Politik entscheidet das Ergebnis und darauf einzugehen, müssen Sie mir gestatten. Die Tatsache, daß die amerikanische Gruppe, die bisher den amerikanischen Zionismus geführt hat, fehlt, ist ein großer Fehler; diese Tatsache ist ein U n g 1 ü c k für den Zionismus und für uns alle. Es sind die widersprechendsten Urteile über B r a n d e i s laut geworden, er ist ein Neophyt genannt worden; auf eine andere Charakterisierung komme ich später. Denken Sie daran, daß er der Ehrenpräsident der Zionistischen Organisation war und daß es gelungen ist, aus dem Ehrenpräsidenten einen Gegner der Organisation zu machen, und Sie werden wissen, wie man diese Art der Politik zu beurteilen hat. Wir sehen auf großen Gebieten, daß die Chancen, anstatt zu steigen, geringer werden, daß wir in eine Sackgasse geraten und nahe am Abgrunde stehen. Man könnte ja sagen und es ist auch oft genug gesagt worden: erst einmal die Zionisten erziehen, sie ausbilden, sie straffer organisieren und dann an die Arbeit gehen. Das wäre ein Weg, wenn wir Zeit hätten. Das ist aber kein Weg, wenn wir eine Chance haben, die rasch erfüllt werden muß. Verpaßte Momente entscheiden sehr viel über das Wohl und Wehe eines Volkes. Und auch in der Weltgeschichte dauern solche Momente nicht Jahre hindurch, sondern auch hier muß schnell gearbeitet werden. Die Londoner Konferenz hatte eine schnelle Arbeit vorgesehen; wir haben uns aber leider von der Basis ihrer Beschlüsse abgewandt und sind zu dem Wege zurückgekehrt, den wir beschritten hatten, als wir noch in Verlegenheit waren, wie wir dem Zionismus überhaupt einen Inhalt geben sollten. Hoher Kongreß! Was für uns wichtig ist, ist die Sammlung der gesamten Judenschaft und wir können sie erreichen auf Grund des Baseler Programmes. Das Baseler Programm hat eine Formulierung, die, wenn wir sie heute schaffen müßten, nicht besser sein könnte. Es hat ewigen Wert und paßt für heute ebenso gut wie für jene Zeit, als es seine Schöpfer in die Welt brachten. Letzten Endes 199