Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 194)
- Language
- German, English, Hebrew
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will man eine gute Organisation — und man stützt sich dabei auf Leute, die gegen die Organisation sind; dann protestiert man gegen Tatsachen, über die Brandeis die Konferenz gezwungen hat, zur Tagesordnung überzugehen — und dabei verlangt man, daß derselbe Brandeis die Leitung übernehme. Man bringt alles hinein. Das einzige, was man nicht bringen kann, ist ein Programm und eine Liste von führenden Namen. Im Herzen ist jeder von uns oppositionell, aber man muß doch nach einem Ausweg suchen. Machen Sie neue Vorschläge, aber nicht negative, sondern positive! Ich glaube, daß in den Vorschlägen, die Ihnen die Exekutive unterbreiten wird, Sie nichts vermissen werden. Sie werden alles Wichtige darin finden. Bringen Sie neue Namen! Wo sind sie? (Julius Simon: Sie werden dann sagen, daß sie nicht reif genug sind!) Aber dem Kongreß kann ich das doch nicht einreden, der Kongreß kann sie doch wählen. Aber Ihre Scheu, — die Tatsache, daß man diese Namen nicht vorbringt, beweist, daß diese Leute an sich selbst nicht glauben. Geehrter Kongreß! Meine Zeit ist um und ich schließe. In einer anderen Versammmlung hat man mir den Vorwurf gemacht, den ich auch hier gehört habe: Sie, der Sie vor einem halben Jahre noch ein Revolutionär waren, stehen heute hier und verteidigen die Exekutive. Pro domo mea muß ich Ihnen sagen: man erweist mir eine unverdiente Ehre, wenn man von, mir als einem Revolutionär spricht. Revolution, wie Militärismus, gehören zu den lateinischen Worten, die ich nicht verstehe. Zur Zeit des Krieges, wenn es mir schien, daß unser Weg mit England sein müsse, und man mir sagte: Pfui, Sie gehen dabei aber mit einer autokratischen Regierung, nämlich mit der Russischen, habe ich mit den Worten geantwortet, die Mazzini für Italien einmal sagte: Ich arbeite für Palästina und wenn ich mich mit dem Teufel verbinden müßte. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Mögen meine Kollegen und mögen diejenigen, die hier spotten, nicht glauben, daß ich dabei jemandem nahetrete, weil ich sage, von denjenigen, die Naiditsch oder Zlatopolsky oder mich als den Teufel betrachten, verlange ich dasselbe. (Beifall.) Ich schlage diesem Kongreß vor — ich habe keine Vollmacht, aber ich richte diesen Appell an jedermann, der hier sitzt und im Zionismus etwas scharfen kann: Bauen wir Brücken zu einander, es gibt Arbeit für alle! Außer solchen Standpunkten, in denen wir nicht übereinstimmen, gibt es doch auch solche, wo wir dennoch übereinstimmen. Arbeiten wir zusammen! Rufen Sie auch die anderen Herren dazu (lebhafte Zustimmung), wenn diese Leute das Programm des Kongresses unterschreiben und das Vertrauen der Mehrheit dieses Kongresses genießen. Vielleicht wird uns dann das gelingen, was Sie einmal zerstört haben: Das Großministerium aller derjenigen, die auf der Grundlage des historischen Zionismus stehen, die genug Toleranz haben, um ein Programm zusammenzustellen, durch das jeder befriedigt ist und für das alle zusammen arbeiten können. Wenn man das nicht will, wenn man immer sagt: „mit dem und dem arbeite ich nicht! er versteht nichts! solange er Propaganda besorgt, kann ich nicht ruhig für Privatinitiative arbeiten!" — dann wird es wirklich nicht gehen, dann müssen wir uns in Parteien zersplittern und als solche die Arbeit weiterführen; dann sollen aber die Verantwortung diejenigen tragen, denen sie zukommt. (Großer, anhaltender Beifall und Händeklatschen.) Mitglied des A. C. Dr. Georg Halpern (zur Geschäftsordnung, spricht deutsch): Herr Präsident! Unsere Geschäftsordnung sieht vor, daß jedes Mitglied der Exekutive jederzeit, wenn es wünscht, das Wort bekommt, um zum Kongresse zu sprechen. Ich nehme an, daß Herr Jabotinsky von 184