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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 144

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 144 (sequence 154)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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aufgehorcht und gesagt: Es ist doch keine Gesellschaft von Verrückten. (Ruf: Das müßten Sie erst erklären!) Ich werde Ihnen die Erklärung nicht schuldig bleiben. Ich erhebe gar nicht den Anspruch, der Einzige oder der Letzte zu sein, der den politischen Zionismus vertritt. Ich bin bloß vorläufig, scheint es mir, fast der Einzige, der noch den Mut aufbringt, hierher zu kommen und darüber zu sprechen und sich der Gefahr auszusetzen, daß man sagt, bei dem Mann ist es nicht ganz recht. Man hat den politischen Zionismus mit der zionistischen Politik verwechselt. Das sind zwei ganz verschiedene Begriffe. Ich für meine Person werde von heute an nicht mehr vom politischen Zionismus, sondern vom völkerrechtlichen Zionismus sprechen. Das ist nämlich der springende Punkt. Hoher Kongreß! Es sitzen noch Herren hier, die am Baseler Programm mitgearbeitet haben. Sie werden sich erinnern, daß es damals um die Begriffe ging: „öffentlich rechtlich" oder „völkerrechtlich". Heute dürfen wir den Mut haben zu sagen, das ist ganz klar, daß wir den völkerrechtlichen Zionismus vertreten. Nachdem wir soweit gelangt sind, hat es keinen Zweck, daß wir damit hinter dem Berg halten. Ich vertrete den völkerrechtlichen Zionismus, und von diesem Gesichtspunkte aus will ich Ihnen über den Bericht und über die Lage des Zionismus einige Worte sagen. Nach meiner Auffassung vom völkerrechtlichen Zionismus müßte dieser Kongreß nicht in Karlsbad, sondern in Jerusalem stattfinden. (Beifall.) Meine Herren, klatschen Sie nicht und stören Sie mich nicht! Ich habe vor zwei Monaten von den Herren in London verlangt: Bringen Sie den Kongreß nach Palästina und alle Differenzen werden verschwinden! Dort in Palästina, angesichts der Klagemauer und der Kolonien, hätten wir uns schnell geeinigt und nicht über nutzlose Dinge geredet. Man hat es nicht getan. Aber was haben wir von S o k o 1 o w gehört? Er hofft, daß wir den nächsten Kongreß in Palästina abhalten. Diese Sprache war unter türkischer Herrschaft gestattet, aber nicht heute. (Ruf: Was ist heute?) Ich habe Ihnen vorhin erklärt, ich habe mir alles, was ich zu sagen habe, wohl überlegt; ich stehe dafür ein. Es hat mich bloß eines gewundert. Als ich später auch öffentlich im „Jewish Chronicle" verlangte, der Kongreß solle nach Palästina gehen, hat dies gar keinen Widerhall im zionistischen Lager gefunden. Zufällig habe ich dieser Tage zu meinem Erstaunen gelesen, daß im vorigen Jahr die Konferenz in London den Wunsch äußerte, den Kongreß nach Jerusalem zu bringen. Welchen Wert haben unsere Beschlüsse, wenn wir sie nicht durchführen? (Ruf: Es war kein Beschluß, es war ein Wunsch!) Es ist hier zu Beginn der Tagung von einem Gerichtshof gesprochen worden. Der Gerichtshof, vor dem wir stehen, ist die jüdische öffentliche Meinung. Es ist für die Sache notwendig, abzurechnen, umsomehr als acht Jahre verflossen sind,, seitdem wir uns zuletzt ausgesprochen haben. Wir haben gedruckte Berichte bekommen. Wenn Sie sich die Berichte ansehen, kann man nicht anders sagen, als daß sie eine großartige Leistung sind. Trotzdem erinnerte mich mancher Aufsatz an die Leitartikel der „Welt" vor dem Kriege. Diese Berichte geben ein großes Tatsachenmaterial und über das Tatsachenmaterial ließe sich sehr viel sagen. Wenn man das erschöpfend behandeln wollte, müßte man ein Buch schreiben, ähnlich wie Lessing ein Vademecum für Pastor Lange geschrieben hat. Es wird nämlich in diesen Berichten sehr Vieles verschwiegen. In dem Berichte erzählt man uns, wie die englischen Behörden uns in Palästina absichtlich ignorieren. Wenn man die Empfindung für so etwas hat, so müßten diejenigen, die den Bericht gemacht haben, doch verstehen, daß auch bei uns diejenigen, die absichtlicn ignoriert werden, ebenso empfindlich sein können, wie wir alle zusammen bei der 144

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