Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 152)
- Language
- German, English, Hebrew
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Meinung zu äußern, so sagt man sofort, das ist Kritik, und wenn man von Kritik spricht, so behauptet man, sie ist negativ, und dann sagt man: Bringen Sie das Positive. Das sind Schlagworte, das ist nichts anderes als die Kritik der Kritik. Ich will Ihnen das an einem Beispiel dartun. Wenn ich im A. C. einen Antrag stelle, so wird vorerst das Prinzip bekämpft. Nachher wird der Inhalt dessen, was ich angetragen habe, in einer anderen Form akzeptiert, so daß mein Antrag nicht angenommen ist. Das ist auch hier in Karlsbad im A. C. geschehen. Auf diese Weise sind dann meine Anträge und mein Verhalten „negativ". Bei uns ist eine Reorganisation von Grund auf notwendig und zwar von zwei Gesichtspunkten aus. Erstens muß die Reorganisation auf der neuen Sachlage fußen, wie sie nach dem Kriege und nach San Remo entstanden ist; zweitens muß sie auf der Erkenntnis des Mißerfolges der bisherigen Wirtschaft beruhen. Wir müssen den Mut dazu haben, denn wenn wir das nicht tun, setzen wir nicht nur die Bewegung, sondern den Zionismus den allergrößten Gefahren aus. Auf der ganzen Linie muß die Reorganisation angebahnt werden. Wir müssen eine Kontrolle schaffen, eine wirkliche Kontrolle über alles dasjenige, was im Zionismus und in Palästina geschieht. Das A.C. muß eine Körperschaft werden, die wiikiich über die Geschichte des Zionismus entscheidet. Wenn wir ein Budget aufstellen, so muß es auch eingehalten werden. Wir müssen es vermeiden, ins Unendliche wachsende Spesen zu machen Hier muß absolut ein Damm gesetzt werden oder wir werden von den Kosten überschwemmt werden. (Beifall.) Dasselbe muß geschehen mit der Verwendung unserer Gelder in Palästina. (Starker Beifall.) Ich komme jetzt zu einer Forderung, die Sie nicht so glatt akzeptieren werden und die sich gegen das Grundübel, das bei uns liegt, richtet. Wir müssen das Prinzip der Inkompatibilität der Beamten aufstellen. (Lebhafter Beifall.) Schon in London ist das verlangt worden, aber erfolglos. Es ist möglich, daß es auch diesmal erfolglos verlangt werden wird. Ich kündige Ihnen aber an, hier liegt das Grundübel, und wenn Sie das nicht beheben, haben wir die schwersten Folgen zu gewärtigen. Die Inkompatibilität der Beamten will sagen, daß ein Beamter im Zionismus nicht zugleich Mitglied des A.C. sein kann und auch kein Delegierter auf dem Kongreß. (Beifall.) Meine Herren! Ich will damit nicht unserem Beamtenpersonal nahetreten. Ich kenne den größten Teil unserer Beamten persönlich. Die Mehrzahl sind ergebene Zionisten, vorzügliche Menschen, tüchtige Arbeiter, sie leben nicht nur vom Zionismus, sie leben auch für den Zionismus. Aber das System ist dennoch grundfalsch, und wenn es auch die besten Menschen sind. Inkompatibilität der Beamten muß bei uns als Prinzip gelten. Die ausführenden Organe sowohl die Direktorien als das Beamtenpersonal in unseren Institutionen haben nicht über die Politik dieser Institutionen zu bestimmen. Entscheidend ist hierfür einzig und allein der Kongreß. Es dürfen auch nicht, wie das bei uns der Fall ist, zuviele Aemter an ein und dieselbe Person gegeben werden. (Sehr richtig!) Ein sehr großer Teil des Uebels liegt darin, daß manchmal ein Mann nicht weiß, in welcher Eigenschaft er eigentlich stimmen und handeln soll. Bei der Besetzung der Posten im Zionismus muß einzig und allein fachmännische Befähigung ausschlaggebend sein. (Beifall.) Die Zugehörigkeit zu einer Partei oder zu einer Fraktion darf hierbei gar keine Rolle spielen. Wir müssen auch darnach streben, die weitgehendste U e b e rführung aller Institutionen nach Palästina zu ermöglichen. (Beifall.) Meine Herren! Wir haben noch auf diesem Kongresse das System der Landsmannschaften. Die Landsmannschaften haben nach meiner Anschauung nur eine einzige Funktion: die Arbeit zu Hause. Hier 142