Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 151)
- Language
- German, English, Hebrew
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DRITTER VERHANDLUNGSTAG Sonntag, den 4. September 1921. 5. (Vormittag-) Sitzung. Beginn: 10 Uhr 30 Min. vorm. Vizepräsident Motzkin: Ich eröffne die Sitzung des Kongresses. Wir setzen die Generaldebatte fort. Das Wort hat Herr Delegierter Jean Fischer. Delegierter Jean Fischer (Belgien, spricht deutsch): Verehrter Kongreß! Ich bedauere sehr lebhaft, daß Herr Doktor Weizmann noch nicht zugegen ist. Ich hoffe, daß er noch während meiner Rede erscheinen wird. Denn wenn ich zum Kongresse spreche, scmuß ich Ihnen sagen, daß ich zum großen Teil auch zu Herrn Dr. Weizmann zu reden habe. Schon vor dem Kriege pflegte ich im A. C. meine Ansprachen größtenteils an Dr. Weizmann als den Führer der Praktischen zu richten. Ich hätte eigentlich bloß zwei Worte zu sagen, d. h. wenn wir alle als Delegierte so vorgebildet wären, daß man sich mit kurzen Reden verständigen könnte, müßte es möglich sein, zwei Worte zu sagen, um einander zu verstehen. Leider sind wir aber noch nicht so weit und müssen mehr oder weniger lange Reden halten. Es ist für mich auch sehr schwer, die Rede zu halten, weil ich mir darüber klar bin, und umsomehr in dieser Stunde, daß ein Delegierter, wenn er hier erscheint und zu einer Frage spricht, für jedes seiner Worte sowohl für jetzt als für die Zukunft verantwortlich ist. Wir haben im Zionismus in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Das kann niemand bestreiten. Wir sind aber von dem Höhepunkt, den wir erreicht hatten, zurückgegangen. Es herrscht in unseren Reihen und im Judentum eine große Unzufriedenheit, eine berechtigte Unzufriedenheit. Die Ursachen sind mannigfaltig und wir haben nachzuforschen, woher sie stammen und ob Abhilfe geschaffen werden kann. Wir müssen hier im Kongresse den Mut haben, die Mängel aufzudecken. Ob dieser Kongreß auch richtig vorbereitet ist, alle nötigen Reformen durchzuführen, dessen bin ich nicht sicher. Jedenfalls ist es unerläßlich, daß wir wenigstens diese Reformen anbahnen. Ich bin in zionistischen Kreisen bekannt als zur Opposition gehörig, und in letzter Zeit haben mir Herren, die wahrscheinlich im Kongreßsaale anwesend sind, den Vorwurf gemacht, daß ich mich schäme, zur Opposition gerechnet zu werden. Ich will den Herren erklären, wie es damit bestellt ist. Eine Opposition, behaupte ich, gab es nicht und bis zur jetzigen Stunde gibt es keine. Es gibt Oppositionelle, aber keine geschlossene Opposition. Damit will ich nicht gesagt haben, daß die Opposition nicht notwendig ist. Wer ist denn heute nicht oppositionell? Vielleicht ist es sogar Dr. Weizmann selbst. Nun können Sie mich fragen, wenn Dr. Weizmann oppositionell ist, was wollen Sie, gegen wen richtet sich die Opposition? Nun, wir sind gegen das herrschende System, das autokratische, bürokratische System, wie es sich bei uns eingenistet hat! (Lebhafter Beifall) Meine Herren! Die zionistischen Delegierten und die zionistischen Massen werden mit Schlagworten geführt. Wenn wir es wagen, eine 141