Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 120

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 120 (sequence 130)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4420-3480564
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in ihren Kräften lag, und wenn sie nicht das erreicht haben, was wir wünschten, so ist es nur deswegen, weil ihnen keine Gewaltmittel zu Gebote stehen. Und doch wage ich zu behaupten, daß das Gewicht dieses Kongresses unseren Wortführern eine starke Stütze geben wird. In der Frage des amerikanischen Konfliktes stehen wir — ich spreche hier nicht im Namen der ganzen polnischen Delegation, denn in dieser sind auch andere Ansichten vertreten, sondern im Namen der weitaus überwiegenden Mehrheit meiner Landsmannschaft — auf Seiten unserer Führer. Ein amerikanischer Brandeis-Zionist sagte mir, er wäre ein ökonomischer aber kein nationaler Zionist. Aber was ist denn der Zionismus ohne Nationalismus? Hat denn die Zionistische Organisation nur ökonomische Aufgaben? Die Herren „ökonomischen Zionisten" kommen zu uns nicht als gleichstehende Mitarbeiter, sondern wollen sofort die einzigen Führer sein. Es gibt natürlich zwischen unserer Weltanschauung und der von B r a n d e i s und seinen Freunden einen sehr tiefen Unterschied. Darum konnten wir uns ihrer Führung nicht bedingungslos anvertrauen. Können wir denn auf unsere Anschauungen verzichten? Was ist Zionismus ohne Nationalismus? (Rufe: Nichts!) Ich sage dies nicht nur als Achad-Haamist, sondern von rechts nach links werden Sie dasselbe hören. Was sagen uns die ökonomischen Zionisten Neues? Sie sagen, zum Beispiel, daß man Banken nicht mit Begeisterung und schönen Reden führen kann. Wahrhaftig — das wissen wir auch. Wir wissen auch, daß wir etliche finanzielle Genies sehr gut brauchen könnten, die die finanzielle Seite des Palästinawerkes geschickt führen könnten. Aber warum sagt man uns nicht, wie man diese paar Genies zu uns herüberbekommt? Leider sitzen die großen finanziellen Talente auf einträglicheren Posten, als sie die zionistische Organisation zu bieten vermag. An billigen Ratschlägen hat es übrigens niemals gefehlt, bloß das Geld fehlt uns. Meine Herren, ich wünsche gewiß keine Trennung. Mit ganzem Herzen will ich den Frieden in der Partei, aber auf Kosten der essentiellsten zionistischen Idee kann man keinen Frieden machen. Ich achte B r a n d e i s und seine Genossen sehr. Aber wenn sie Zionisten sind, müssen sie herkommen, wie es Simon und De Lieme getan haben. Wer in Washington oder in Paris geblieben ist, anstatt hierher zu kommen, um mit uns zu beratschlagen und uns seine Ueberzeugung zu übermitteln, der hat seinem Zionismus ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. — De Lieme hat über die große Zahl der Präsidenten gewitzelt, unter denen wir uns nicht mehr zurechtfinden. Er hat aber noch einen Präsidenten zu erwähnen vergessen, und das ist der von den Amerikanern eingesetzte Ehrenpräsident Brandeis. Wo ist dieser Ehrenpräsident? Wir möchten doch auf keinen Fall auf seine große Kraft verzichten. Noch ein Wort über den High-Commissioner. Wir freuten uns sehr lebhaft über seine Bestellung. Heute heißt es, daß er uns böse ist und zu uns kein Vertrauen mehr hat. Er dachte wohl, daß wir im Handumdrehen das Volk und die großen Gelder bekommen werden. Da das nicht sofort gelang, ist sein Vertrauen zu uns erschüttert. Wie steht es aber um unser Vertrauen zu ihm? Hat er das getan, was wir von ihm erwarten durften? Statt uns seine Tatkraft zu zeigen, hat er vor uns die Tore unseres Landes geschlossen. Können wir das jüdische Volk vor geschlossene Tore führen? Gewiß — das Volk ist nicht verzweifelt, aber es will doch sehen, daß es in Palästina Aktionsfreiheit gibt. Wir rufen hier auf dem Kongreß: Noch haben wir ein wenig Vertrauen zu dem vornehmen Manne auf dem Oelberge, aber unsere Geduld ist auf eine harte Probe gesteilt. Der Kongreß muß Frieden stiften, aber das amerikanische Problem muß ganz anders gelöst werden. Wir polnischen Mitglieder des 120

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.