Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 113)
- Language
- German, English, Hebrew
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digen usw. — ein ganzes Programm. Kein einziger dieser Programmpunkte ist erfüllt worden. Aber wir haben darauf San Remo gefeiert. Neue Krawalle sind gefolgt, aber die Zionist Commission liest nichts, sie sieht nichts, sie weiß nichts, sie verhindert nichts und sitzt dabei. Diese Schmach, unserem Volke in Palästina angetan, war für mich, der ich ein „assimilierter Westler" bin, das Schwerste, das ich je erlitten habe. Ich habe im Protestmeeting in Amsterdam gesprochen und habe 8 Tage später, nach San Remo, mich geweigert, öffentlich zu reden, weil diese Schmach auf uns ruhte und San Remo nur Negatives — es hat Schlimmes verhindert — aber nichts Positives gebracht hatte: Ich bin aus Palästina zurückgekommen. Ich, der ich — nicht durch meine Schuld — in einem assimilierten Lande geboren bin, wo für Sie Juden keine Juden sind, weil sie anders assimiliert sind, aber wo ich weder innere noch äußere Knechtschaft kenne, ich habe in Palästina gelitten, als die Anstifter der arabischen Pogrome begnadigt wurden. Je ein Jude ist begnadigt worden und je ein Araber; das heißt wahrscheinlich Parität. Ich bin kein Freund der Jabotinskyschen Auffassungen. Jabotinsky ist genau so begnadigt worden wie die Araber begnadigt worden sind, die Führer des Pogroms. Das war für uns eine Schmach. Ein Anstifter der Pogrome ist Vizegouverneur in einem Distrikt in Palästina geworden. Die deutsche zionistische Presse hat darüber geschrieben: „dies beweise wahre Toleranz". Nein, das ist die größte Schmach, die man uns antun konnte. (Lebhafte Zustimmung.) Ich habe Ussischkin, als ich bei ihm war, gesagt: ich verstehe nicht, wie Ihr das alles duldet; es bedrückt mich, ich kann mir nicht helfen. Wenn ich nach Palästina komme — und ich war entschlossen, dies mit meinen Kindern zu tun — so bedrückt mich dies alles, ich kann nicht dulden, ich bin es nicht gewohnt. Da sagte Ussischkin, der ein freiheitsliebender Mann und der stolzeste Jude ist, den ich kenne: Sie verstehen das nicht, ein Jude muß lernen zu dulden. Hochverehrter Kongreß, wie Sie darüber denken, weiß ich nicht, aber ich will nicht nach Palästina gehen, um dulden zu lernen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Lebhafte Zwischenrufe.) Ich bringe das vor und werde noch anderes vorbringen, um zu beweisen, daß unser Verlangen berechtigt ist, die nötigen Aufklärungen schon in der Eröffnungsrede und nicht zu einem zweiten Termin zu hören. Wie steht es nach so vielen Jahren des Diplomatisierens in Paris mit der Grenzfrage? Ich werde dies nicht ausführlich schildern, Sie wissen es genau so wie ich. Ich will nur eine Bemerkung machen. Ueber die Nordgrenze ist viel gesprochen worden — mit Recht, sie ist für uns von großer ökonomischer Bedeutung. Ueber die Ostgrenze ist viel geschrieben worden, aber ängstlich (was die politischen Verhältnisse betrifft) macht uns mehr die Ostals die Nordgrenze. Oekonomisch mögen beide gleich wichtig sein oder nicht, ich beurteile das jetzt nicht. Bei der Nordgrenze gab es Kontroversen zwischen den Großmächten, und obwohl wir dagegen protestierten, als wir benachteiligt wurden, können wir verstehen, daß ein Resultat herauskam, das uns nicht befriedigte. An der Ostgrenze waren diese Kontroversen nicht mächtig. Dies ist der beste Beweis, daß unsere 103