Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 111)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/3476254-3476278--4401-3480545- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mann so freundlich sein, es nachher zu bestätigen, daß meine Resignation nicht allein wegen dieser Kontroverse erfolgt ist, sondern daß ich schon am 23. August 1920, einen Monat, nachdem ich in die Exekutive eingetreten und bemüht war, meine Geschäfte im Haag abzuwickeln, meine Resignation unterbreitet und mein Mandat zur Verfügung gestellt habe, aus derselben Ursache, die nachher zu meiner Resignation geführt hat, und zwar weil uns die Arbeit systematisch von seinen Freunden sabotiert worden ist. Allein auf sein persönliches Drängen habe ich dann diese Resignation zurückgenommen. Es ist wahr, daß wir isoliert worden sind, und es ist wahr, daß wir an dieser Isolation Schuld haben — wenn ich von Schuld spreche, so spreche ich nur von mir persönlich — weil ich vom März bis jetzt, bis zum September, geschwiegen habe. Wir haben mit dem Schweigen uns persönlich geschadet. Wir haben zugelassen, daß man uns verleumdet und Legenden über unsere Tätigkeit verbreitet. Unseren Personen haben wir geschadet, aber ich bin der Ueberzeugung, daß wir mit unserem Schweigen der Organisation und der Bewegung einen Dienst erwiesen haben. Wenn wir früher gesprochen hätten, wäre die Entwicklung der Sache nicht nur in Amerika, sondern auch anderwärts viel schlimmer gewesen, als es jetzt der Fall ist. Und doch bin ich nicht so betroffen von der Antwort der Exekutive auf das Statement, wie man glaubt, und ich bin trotzdem „ein guter Zionist" geblieben. (Beifall). Ich habe mir gedacht: gam se le' towah, auch dies wird zum Guten sein. Niemals ist das, was ich schildere, von irgendeiner Exekutive zu entschuldigen. Aber ich habe Trost geschöpft aus der Hoffnung, daß sie vor den Kongreß mit einem großen politischen Erfolg treten wird. Nur eine Exekutive, die einen sehr großen politischen Erfolg nachweisen kann, darf dies wagen. Es ist nicht erlaubt, es ist nicht würdig, auf eine solche Weise vor einem Kongreß aufzutreten, der nach einem so langen Zeitraum zusammenkommt; aber die großen politischen Erfolge machen es möglich; diese Exekutive kann es sich erlauben. Sprechen wir offen über die Lage. Erstens ist auch hier der dialektische Standpunkt der Exekutive in der politischen Frage zu erörtern. Wir haben einen politischen Bericht, der uns in meisterhafter Weise — man kann darüber diskutieren, ob man einverstanden ist oder nicht — den ganzen Gang der Ereignisse schildert. Den kennen wir, aber es ist gut, daß dies alles dokumentarisch festgelegt ist. Aber um den Gang der Ereignisse noch einmal zu hören, sind wir nicht hier auf dem Kongreß zusammengekommen. Wir haben uns gedacht, daß, wenn unser verehrter Präsident der Organisation spricht, er uns seine Ansichten über die politische Lage auseinandersetzen wird. Die Exekutive nimmt aber genau so wie in andern Fällen auch hier nur polemisch und dialektisch Stellung. Erst müssen wir uns über die Berichte aussprechen und dann wird wahrscheinlich die politische Bombe platzen. Man hält damit den Kongreß unnötig auf und überdies ist dies kein parlamentarisches Ver- 101