Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 93 (sequence 103)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4393-3480537
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ist viel stärker als man glauben machen will. (Lebhafte Zwischenrufe.) Meine Herren, ich zitiere einen Bericht. (Zwischenruf Dr. Lewins: Aber wenn der Bericht falsch ist, warum einen falschen Bericht wiederholen?) Die Herren sind sehr empfindlich, wenn man den Dingen auf den Grund geht. Mein Bericht war gegeben, als die Atmosphäre noch reiner war als sie heute ist. Ich weiß, daß Sie, Dr. L e w i n und die 42 amerikanischen Delegierten mir unrecht geben werden. Es ist aber allzu neu noch das große Unrecht, das Sie alle begangen haben, als daß der Kongreß Sie als objektive Beurteiler anerkennen kann. Ich beharre noch heute auf dem, was ich damals gesagt habe. Ich sage, daß die besten Köpfe des Landes durch Brand eis uns näher gebracht wurden. Sie bewirkten, daß die Leitung allmählich erkannte, daß die alten Kampfmethoden aufzugeben seien. In der Jugend, besonders in der studierenden Jugend, faßte der Zionismus Fuß. Das bewirkte die Tatsache, daß Brandeis der Führer war. Ich meine nicht den Brandeis, von dessen Mitarbeit man politische Erfolge erwarten durfte und den man deshalb hochhält und von dem man, wie Ussischkin zu sagen wagte, keine politischen Erfolge mehr erwartet und den man deshalb fallen lassen darf. Ich spreche von Brandeis, dem Charakter, dem Idealisten und dem Intellekt. (Beifall.) Justice B r a n d e i s ist eine große moralische Kraft in Amerika. Er ist für viele das Gewissen des Amerika von morgen. (Widerspruch.) Er ist kein Volksführer für Massen, welche das Wort brauchen, um Taten zu Volbringen. Er hat eine hohe Achtung vor dem Wert des Wortes. Er will es nicht mißbraucht wissem Seine Stellung in Washington, die so bedeutungsvoll für die politische Arbeit gewesen ist, zwang ihn vollends zur Schweigsamkeit in der Oeffentlichkeit. Die Massen aber waren an Worte gewöhnt. Der Russe vor allem berauscht sich gern am Wort, der russische Jude hat diese gefährliche Neigung geerbt. Die für Brandeis sprachen, waren nicht immer die geeignetsten Interpreten des Führers. So kam es, daß eine Entfremdung eintrat. Ich versuche das alles nur historisch darzustellen und ich kann das um so leichter, da ich den Dingen ferner stehe als die Herren, die sich hier so aufregen. Die Massen waren vom Führer enttäuscht, der ihnen fern gerückt war und der Führer von den Massen, weil er laute Worte sah, wo er stille Taten erwartete. Das war die Situation und in ihrer Lösung lag Dr. Weizmanns große Mission. B r a n d e i s wies selbst darauf hin. Er sagte vor der Jahreskonferenz in der Sitzung des Großen A. C. zu Dr. Weizmann: es ist uns nicht gelungen, jene Opferwilligkeit unter den russischen Juden zu erzeugen, die nötig ist zum Aufbau. Kommen S i e und versuchen Sie es. Es war nicht Dr. Weizmanns Mission, an der Oberfläche haften zu bleiben, die von Mißstimmung zeugte. Es war nicht seine Mission, den Instinkten einer mißvergnügten Masse entgegenzukommen, für die der Kampf und Zank ein Stimulans war, aber keiner, auf dem sich dauernde Resultate aufbauen lassen. Er durfte nicht zugeben, daß eine Leitung ausfiel, wo niemand blieb, um sie zu ersetzen. (Beifall.) 93

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.