Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1922-01-01 · 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921 · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
Date
1922-01-01
Page
Seite 89 (sequence 99)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476278--4389-3480533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Brandeis veranlaßten, den Jewish Council durch die Zionistische Organisation zu ersetzen, waren folgende: 1. er wollte kein politisches, internationales Band der Juden außerhalb der zionistischen Bewegung, 2. er sah voraus, daß der Jewish Council notwendigerweise eine arbeitsunfähige Körperschaft werden müsse, denn er sollte die heterogensten Elemente umschließen, von den Vertretern der Ica bis zum Jüdischen Nationalrat, von der Alliance bis zur Agudas Jisroel. Vertreterschaften entscheiden aber nicht auf Grund kollegialer Beratung. Sie bleiben von den Argumenten des Kollegen unberührt. Sie entscheiden auf Grund des Auftrages, den ihnen jene Organisation erteilt hat, die sie in den Council entsendete. Das heißt Chaos. Das ist für den Fall, daß der Jewish Council überhaupt zu bilden ist. Das mußte aber mehr als fraglich erscheinen. Denn die Ansicht der Zionisten war, daß den jüdisch-nationalen Elementen die präponderante Stellung gesichert werden müsse. Wir hatten schon sehr naive Entwürfe darüber. Das aber hätte natürlich den Eintritt anderer Körperschaften in Frage gestellt. Da aber auf Grund des Mandates die Zionistische Organisation den Eintritt aller Organisationen herbeiführen sollte, welche willens waren, am Aufbauwerk teilzunehmen, so lag die Gefahr nahe, daß die Mandatarmacht unsere Wahlarithmetik über den Haufen geworfen hätte, was wiederum Chaos bedeutete. Darum sagte B r a n d e i s : „Wir sind uns alle darüber einig, daß wir das Problem der Vereinigung aller jüdischen Kräfte, die Palästina bauen wollen, zu lösen haben. Wenn ich nun zu wählen habe zwischen einer besonderen Zweckorganisation, die das Chaos statt konstruktiver Arbeitsmöglichkeiten von vornherein in sich birgt, oder der Erweiterung der Zionistischen Organisation in solcher Weise, daß alle in ihr Platz finden können, die das Baseler Programm und das Mandat anerkennen, dann wähle ich die Erweiterung der Zionistischen Organisation. Denn dort habe ich nicht Vertreterschaften, sondern Individuen, die sich den demokratischen Instanzen der Zionistischen Organisation einzufügen haben." Hier haben Sie ein für Brandeis charakteristisches Bestreben, die Dinge, statt sie ins Endlose zu komplizieren, auf ihre einfachste Formel zurückzuführen. Dr. W e i z m a n n sagte damals, als der Beschluß gefaßt wurde, den Jewish Council im Mandat durch die Zionistische Organisation als Jewish Agency zu ersetzen, daß wir für ein zweites Uganda gestimmt hätten. Wer aber zweifelt heute noch daran, daß die Anerkennung der Zionistischen Organisation im Mandat eines der positivsten Dinge ist, die dort erreicht wurden? Die gleiche Anschauung in logischer Konsequenz weiter gedacht und konstruktiv entwickelt, findet sich in Braudels' Versuch, führende Persönlichkeiten außerhalb der Organisation in die Exekutive der Organisation zu bekommen, falls diese Persönlichkeiten bereit sein sollten, die Verantwortlichkeit nach Außen und Innen zu übernehmen. Darüber berichtet das amerikanische Memorandum. Dieses Memorandum erklärt, daß Justice B r a n d e i s gute Aussicht hatte, 89

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.