Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 12 (1922) Karlsbad, 1. bis 14. September 1921
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 44)
- Language
- German, English, Hebrew
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und die Rechtlichkeit unserer Ansprüche einzusehen beginnen. Möge das schwergeprüfte und endlich befreite polnische Volk, dessen Wohlfahrt und Aufschwung mit seinem kulturellen und freiheitlichen Fortschritt gedeihen werden, seinen Gerechtigkeitssinn den Juden gegenüber bezeugen. Polen ist jetzt das größte Zentrum jüdischer Bevölkerung in Europa, und die Juden können für den wirtschaftlichen Aufbau dieses Landes Großes leisten. (Lebhafte Zustimmung.) Wir, die wir im Namen des jüdischen Volkes sprechen, sind weder Komplottstifter, noch haben wir den Ehrgeiz oder den Größenwahn, uns in internationale Angelegenheiten zu mischen, die uns nichts angehen. Man möge doch endlich einmal mit dieser lächerlichen Mythologie aufräumen! Die neuen und vergrößerten Staaten werden in den Juden die besten Freunde haben. Wir erwähnen bei dieser Gelegenheit mit aufrichtiger Sympathie das biedere, befreite Volk der Litauer, das wir zu seiner Freiheit und Selbständigkeit von Herzen beglückwünschen. Dieses Volk hat seine Beziehungen zum jüdischen Volke auf Gerechtigkeit und gegenseitiger Achtung aufgebaut und wird mehr und mehr einsehen, mit welchem Eifer die jüdische Bevölkerung Litauens neben der Pflege ihrer eigenen Ideale und kultureller Interessen am Aufbau des Staates mitarbeiten wird. Eine solche Entwicklung in jedem Lande, in dem die Juden in großen Massen leben, ist erwünscht. Das ist das einzige, was uns bei der Frage des Judenschutzes in der Diaspora interessiert (Lebhafter Beifall.) Schluß. Und nun sind wir am Schluß angelangt. Wir hatten nicht die Absicht, einen Bericht zu erstatten. Zionistische Kongresse sind nicht mehr dazu da, um Rückschau zu halten, sondern um zu beraten, was in der weiteren Bewegung zu geschehen habe. Aber diese Lehren ergeben sich nur aus der Erfahruhg. Wir sind erfüllt von dem schweren Ernste des Augenblicks, aber wir sind zuversichtlich. Für den Schutz der Diaspora erheischt der Jammer der Gegenwart gebieterisch die Wiedervereinigung und den Zusammenschluß, die Selbsthilfe und die Selbstrettung. Denn finster mahnend pocht der lauernde Haß an unsere Pforte und einzelne Beschützer können die Gefahr nicht abwenden. In seiner Gesamtheit, mit vereinten Kräften muß sich das Volk helfen. Nicht verzagen! Wir haben schon so manches Ungewitter bestanden und wir werden auch dieses Ungewitter bestehen. Aber um sicher zu sein, muß das ganze Volk arbeiten und an dieser Arbeit werden wir uns beteiligen. Aber für den Zionismus heißt es für uns: ganze Arbeit. Jeden Mann und jeden Groschen. Aber auch alle anderen sollen sich hierbei beteiligen. Man sagte vom Zionismus, daß er innerlich zerrissen und gespalten, daß er verarmt sei. Aber — unsere Einheit ist größer, als es scheint, der Einfluß und die Macht unserer Idee ist tiefer, als 34