Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 362 (sequence 369)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 362 — auch die Zufriedenheit mit kleinen Errungenschaften. Daß wir aber solche Ihnen bei unserem Wiedersehen nach zwei Jahren bringen werden, hoffen wir bestimmt und erwarten dann von Ihnen auch wiederum dieselbe Nachsicht und Milde wie auf dem jetzt beendeten Kongresse. Was uns moralisch hebt und zuversichtlich macht, ist die Beobachtung, daß unsere zionistische Arbeit, von weiteren Perspektiven aus gesehen, doch schon, und in von Kongreß zu Kongreß steigendem Maße,, auf bedeutende Erfolge hinweisen kann. Daß sie ernst genommen wird auch in Kreisen, die ihr früher fern standen, hat auch dieser Wiener Kongreß wieder in hohem Maße gezeigt, und ein Dank gebührt auch der hiesigen Presse dafür,, daß sie, mit wenigen Ausnahmen unsere Bestrebungen in ernster und objektiver Weise gewürdigt hat (Lebhafter Beifall.) Auch der Bevölkerung dieser schönen Stadt möchte ich noch unseren Dank aussprechen dafür, daß sie den vielen Gästen,, die sie gelegentlich des Kongresses in ihren Mauern beherbergt hat, mit so herzlichem Wohlwollen entgegengekommen ist, so daß wir alle gewiß mit einem Gefühl der Dankbarkeit und Anhänglichkeit diese gastliche Stadt verlassen. (Lebhafter Beifall.) Wir haben aber hier das Bewußtsein erlangt, daß wir jetzt getrost uns überall sehen lassen können, wo wir es für richtig halten, die Zelte unserer zukünftigen Kongresse aufzuschlagen (lebhafter Beifall), wir haben jetzt durch Wien eine Einführung erhalten, die es uns leichter macht als bisher, die Orte zur Abhaltung unserer Kongresse nur nach inneren Motiven zu wählen. Dies aber ist besonders aus dem Grunde wichtig,, weil es die rapide Zunahme unserer Anhängerschaft immer schwerer macht und machen wird, geeignete Lokalitäten zu finden. Wie wir diesen zunehmenden Schwierigkeiten in Zukunft begegnen werden, mag dahingestellt bleiben; Tatsache aber ist, daß wir auch dem Kritischsten und Mißgünstigsten schon jetzt als eine nicht zu verachtende Macht erscheinen müssen. (Beifall.) Und auf diesem Wege werden wir fortschreiten, von Staffel zu Staffel, in dem Bewußtsein, daß wir ein wichtiges, notwendiges Glied darstellen in der noch lange nicht abgeschlossenen historischen Entwicklung unseres großen jüdischen Volkes. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Präsident Wolffsohn: Das Wort hat Herr Bialik. (Stürmischer, langanhaltender Beifall. — Die Versammlung erhebt sich unter Hüte- und Tücherschwenken.) Del. Ch. N. Bialik (hebräisch): Hoher Kongreß! In dieser großartigen Tagung hatte der jüdische Geist eine schwere Prüfung zu bestehen, und er hat sie bestanden! Die tiefste Wunde der jüdischen Nation besteht eben darin, daß eine unüberbrückbare Kluft zwischen ihren materiellen und geistigen Bedürfnissen und ihren Möglichkeiten besteht. Ein Volk, das über alle Erdwinkel zerstreut ist, im Schöße verschiedener Kulturen erzogen und aufgewachsen, hat es sich die verschiedensten und oft einander wider-