Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 359)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 352 — Del. Dr. Margulies: Ich bitte im Namen der Westösterreichischen Landsmannschaft um das Wort zu dem Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. (Unruhe und Zwischenrufe). Präsident Wolffsohn: Es kann überhaupt keine Rede davon sein, daß wir Debatten darüber haben werden. Prof. Dr. Weizmann: Geehrter Kongreß! Ich habe ausdrücklich den Antrag gestellt, über alle diesbezüglichen Anträge und Erklärungen zur Tagesordnung überzugehen. (Del. Dr. Margulies: Das geht nichts Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß wir nach langen und langwierigen Beratungen zu dieser Erklärung gekommen sind, welche wir jetzt verlesen haben. Wir haben es nicht ohne Ueberlegung getan; und ich bitte Sie, dem Permanenzausschusse, der doch Ihre Vertretung ist, soviel Vertrauen zu schenken, daß es das Beste in der gegebenen Situation ist, was wir für den Fortgang des Kongresses tun konnten. (Lebhafter Beifall.) Präsident Wolffsohn: Es unterliegt absolut keinem Zweifel, daß ein Uebergang zur Tagesordnung der weitestgehende Antrag ist. Sind Sie damit einverstanden, so werden Sie dafür, sind Sie dagegen, so werden Sie dagegen stimmen. Wird der Kongreß aber diesen Antrag annehmen, so ist es selbstverständlich, daß ich keinem mehr das Wort dazu geben kann. Wir können nicht über diesen Antrag eine Debatte zulassen. (Zwischenrufe und große Unruhe.) Ich nehme an, daß hier im Saale eine ganze Reihe von Nichtdelegierten ist: Ich bitte dieselben, sofort den Saal zu verlassen. (Der Lärm hält an — der Präsident gibt wiederholt das Hammerzeichen.) Vizepräsident Julius Simon: Es liegt eine Erklärung der Poale Zion und Zeire Zion vor, welche lautet (liest): „Die vereinigten Fraktionen der Poale Zion und Zeire Zion, denen insgesamt 37 Delegierte angehören, gehen auf kein Kompromiß ein und werden entschieden dafür stimmen, daß der zionistischen Leitung der entscheidende Einfluß auf die Finanzinstitutionen der zionistischen Organisation eingeräumt werde. (Lebhafter Beifall, große Unruhe und Zwischenrufe.) Del. Dr. Emil Margulies: Hoher Kongreß! Die westösterreichische Landsmannschaft hat in der Generaldebatte eine Resolution eingebracht, in welcher sie verlangt, daß dem Großen Actions-Gomite der maßgebende Einfluß auf die Finanzinstitute gewahrt bleibe. Wir haben diese Resolution eingebracht, weil wir davon überzeugt sind, daß die Aufrechterhaltung dieses Prinzips eine der Grundlagen unserer Organisation ist, und weil das E. A. C. auch aus Gründen, die in seinen Erfahrungen liegen, diese Forderung aufgestellt hatte. Das E. A. C. hat, wie Ihnen Herr Professor Dr. Weizmann mitgeteilt hat, unter dem Drucke der Verhältnisse sich entschlossen, auf die Durchführung des Prinzips zu verzichten. Wir stehen vertrauensvoll hinter dem E. A. C., dessen Arbeit wir gesehen haben, und wir mußten uns daher entschließen, eine Stellung aufzugeben, die nicht mehr dem Willen des E. A. C. entspricht. Wenn wir deshalb in diesem Augenblick unsere Resolution zurückziehen, so tun wir dies nicht etwa, weil wir das von uns proklamierte Prinzip nicht mehr für richtig hielten, im Gegenteil, nach wie vor stehen wir auf dem Standpunkte, daß dieses Prinzip das einzig richtige ist. (Lebhafte Zwischenrufe. — Unruhe. — Beifall.) Präsident Wolffsohn (gibt das Hammerzeichen). Del. Dr. Margulies (fortfahrend): Sollte hier jemand aufstehen und das geschlossene Kompromiß als Werk des Friedens preisen und wieder jemanden als den Helden des Kongresses feiern, dann wird dies gegen unseren entschiedenen Widerspruch erfolgen. Denn wir können