Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1914-01-01 · 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913 · p. Seite 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
Date
1914-01-01
Page
Seite 246 (sequence 253)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476276--4165-3480308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 246 — die wir in unserer Propaganda für Palästina begangen haben: wir haben uns allzu rationalistisch gebärdet. Wir haben alles auf das Rein-Vernünftige lenken wollen und keine Rücksicht genommen auf das Sentiment. Aber das Volk hat gesunde Instinkte. Sehen Sie: wenn etwas dem Volke über Jerusalem gesagt wird, so fängt sein Puls zu schlagen an. Wir verstanden das nicht, und wir wollten auf Jerusalem verzichten; aber dann würde das Volk auf ganz Palästina Verzicht leisten. Wir müssen und sollen unsere Arbeit an Jerusalem knüpfen, als an das natürliche Zentrum Palästinas und des jüdischen Nationalgefühles. Nun haben Sie hier drei Prinzipien: jüdische Arbeit, Agrarbank und Jerusalem, die ich als Grundlage unserer bevorstehenden Palästina- Arbeit wissen möchte. Uebergeben wir diese Prinzipien dem Palästinaamte und dem Actions-Comite als Richtlinien für ihre künftige Tätigkeit. (Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall.) Vizepräsident Dr. Ehrlich: Das Wort hat Herr Dr. R u p p i n. Del. Dr. Ruppin: Verehrter Kongreß! Ich bin genötigt, noch einmal das Wort zu ergreifen, um auf die Angriffe zu antworten, die Herr Kann gegen die Palästinaarbeit in seiner vorgestrigen Rede gerichtet hat. Herr Kann hat damit begonnen, daß er erzählte, das P'alästinaamt habe in eigenmächtiger Weise eine Hypothek für ein Terrain in Palästina gegeben, ohne dazu vom Nationalfonds bevollmächtigt zu sein. Die Sache war vor ungefähr einem Jahre bereits Gegenstand einer langen Erörterung in Köln, als ich von Palästina nach Europa kam. Ich habe damals in Gegenwart der Herren Dr. Boden he im er und Wolffsohn aus den Akten nachgewiesen, daß ich mich durchaus für bevollmächtigt halten durfte, diese Hypothek zu geben. Es ist ein Protokoll darüber aufgenommen worden, das, glaube ich, Herr Dr. Bodenheimer und Herr Wolffsohn unterfertigt haben, in welchem dies festgestellt wurde. Ich bin erstaunt, daß Herr "Kann dies nicht gewußt hat. Ich nehme an, daß er seine Kritik nicht erhoben hätte, wenn er dieses Faktum gekannt hätte. Wenn also der Beweis, den Herr Kann anscheinend hiermit führen wollte, daß wir eigenmächtig und ohne Beamtendisziplin in unserer Arbeit vorgehen, nicht geglückt ist, so will ich Herrn Kann doch gestehen, daß wir vielleicht wirklich nicht ordentliche Beamte in seinem Sinne sind. Als das Palästinaamt gegründet wurde, versuchte ich vergeblich, von den leitenden Instanzen genaue Instruktionen darüber zu bekommen, was ich eigentlich in Palästina tun sollte. Niemand wußte es, niemand konnte mir eine Antwort darauf geben. Ich mache auch niemandem einen Vorwurf daraus. Wenn man einen Forschungsreiseinden in unbekannte Gegenden schickt, kann man ihm eben nicht vorher vorschreiben, was er dort entdecken soll. Erst die Reise selbst, erst die Arbeit kann darauf eine Antwort geben. Vielleicht hat damals den leitenden Instanzen vorgeschwebt, daß das Palästinaamt lediglich eine Art Informationsbureau sein sollte, das sich damit zufrieden geben sollte, der Leitung Berichte zu schicken und die wenigen laufenden Verwaltungsgeschäfte zu erledigen. Danach habe ich allerdings nicht gehandelt. Ich habe vielmehr gedacht, als ich das Palästinaamt übernahm,1 daß ich nicht (hingeschickt sei, um mit Kadavergehorsam Instruktionen auszuführen, sondern daß ich hingeschickt sei, um aus eigener Initiative dort das Feld zu untersuchen und das zu tun, was sich tun ließe. (Lebhafter Beifall.) Deshalb habe ich nicht auf Instruktionen gewartet, sondern ich habe Tätigkeit gesucht, und weil ich sie gesucht habe, habe ich sie gefunden. (Lebhafter Beifall.) Die hauptsächlichste Beschuldigung des Herrn Kann bestand darin, daß der Nationalfonds schon 3 Millionen Mark in Palästina angelegt habe. Was soll das eigentlich sagen? Wahrscheinlich wollte Herr Kann

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.