Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 251)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 244 - ist's gut; wenn er aber schwer und voller Störungen ist, so wissen wir bloß ein Mittel: die Energie und Ausdauer dementsprechend zu verdreifachen und zu vervierfachen. Einen anderen Weg gibt es nicht! Unsere Aufgabe soll es jetzt also bloß sein, zu untersuchen, was wir mit unseren bescheidenen Kräften als Maximum erreichen können, und auf welchem Wege wir neue Mittel und Kräfte für unsere Sache in Bewegung setzen können. Und ich will es offen vor aller Welt gestehen: Auch Schattenseiten habe ich an der Tätigkeit unserer Organe wahrgenommen. Es wäre unnatürlich, wenn sie nicht dagewesen wären. Und sie sollen uns keineswegs zum Verzagen Veranlassung geben. Eine lebendige Sache kann Fehlschritten nicht aus dem Wege gehen; sie müssen hie und da vorkommen. Und unsere Sache ist es, durch gut gemeinte Kritik die Zahl der negativen Seiten zu vermindern. Auch mit Herrn Kann gedenke ich nicht, mich in eine Diskussion einzulassen. Abgesehen davon, daß hier Herr Dr. Ruppin diese Angriffe abzuwenden wissen wird, halte ich es überhaupt nicht für angebracht, solche speziellen Angelegenheiten in einer so großen Versammlung zu erörtern. Als ich von Palästina zurückkehrte, erstattete ich dem Actions-Comite einen Bericht, in dem ich die Schattenseiten in keiner Weise verhehlt habe, denn dort war der Platz, diese Fragen eingehend zu besprechen. Aber eines muß ich Ihnen doch sagen: Wenn sogar alles so sein sollte, wie Herr Kann sich bemüht hat es darzustellen (ich sage es natürlich nicht), auch dann möchte ich sagen: Das ganze ausgegebene Geld steht immer noch in keinem Verhältnis zu dem, was erzielt wurde. Ich sage das in vollem Bewußtsein meiner Worte: Wir haben in den letzten Jahren sehr vieles erzielt, so vieles, daß man von den Mängeln und Fehlern ruhigen Herzens absehen kann. Wenn ich nach Merchawja oder einem sonstigen Orte komme und dort Juden vorfinde, wo sie früher nicht zu finden waren; wenn ich jüdische Arbeit und eine aufopferungsbereite und opferfreudige Jugend dort vorfinde, so muß ich mir sagen, daß dies doch viel mehr wert ist als das ausgegebene Geld. Ich verstehe auch etwas von Rechnungen und Ziffern; aber wenn man mir Merchawja und sogar Millionen gegenüberstellen möchte, werde ich ohne jedes Bedenken ausrufen: Gebt uns Merchawja, Merchawja, Merchawja! (Andauernder Beifall.) Wir haben in Palästina Positionen errungen, und diese sollten wir um jeden Preis erringen! Wir haben in den letzten Jahren etwas in Palästina geschaffen, das zum Ruhm des jüdischen Volkes beiträgt. Und wenn Sie dabei noch die Riesensummen in Betracht ziehen, die wir jährlich für „Awoda-Sara" ausgeben, so werden Sie erst recht bekennen, wie lächerlich das ist, von „zu teurem Preis" zu sprechen. Nun will ich Ihnen aber in kurzen Worten die Grundprinzipien darlegen, nach denen wir in Erez-Israel, meiner Meinung nach, arbeiten sollen. Niemand wird mir zutrauen, daß ich irgendwie mit den Weltanschauungen der „Hapoel Hazair" oder „Poale Zion" übereinstimme oder etwas gemeinsam habe. Aber ein Uebereinkommen habe ich mit den Herren getroffen, daß wir uns in der Palästina-Arbeit gegenseitig unterstützen. Wir haben uns auf einer Plattform gefunden, und die heißt: das jüdische Volk zu seinem Lande zurückzubringen. Auf dieser Plattform kann uns keine Weltanschauung trennen! (Beifall.) Und ich will es gerne gestehen: die Herren haben treu auf dieser Plattform! mitgearbeitet. Es war gerade vor ungefähr zehn Jahren, als ich zu dieser Jahreszeit den Kongreß in Sichron-Jacob schloß. Damals sagte ich in meiner