Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- – (sequence 246)
- Language
- German, English, Hebrew
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NEUNTE SITZUNG Montag, den 8. September 1913 Beginn der Sitzung: 10 Uhr vormittags Präsident Wolffsohn: Ich eröffne die Sitzung und erteile das Wort Herrn David Yellin. Del. Dr. Yellin, Jerusalem (mit lebhaftem Beifall begrüßt, spricht hebräisch): Verehrter Kongreß! Nach vielen und teueren — an Geld und Zeit teueren Diskussionen über Politik, sind wir froh, daß wir endlich zur praktischen Arbeit in Palästina gelangt sind. Wissen Sie, meine Herren, welche die richtigste Politik ist? Das ist, wenn überhaupt keine Politik getrieben wird. Unsere Politik ist klar: die Ruinen aufzubauen, das Verwüstete wieder herzustellen. Es sind noch genug Ruinen im Lande, die man aufzubauen hat. Wer das Land von Dan bis Ber-Saba durchstreift, der sieht sie ja, die wüsten Berge, die verödeten Täler, die auf tüchtige Arbeiterhände warten. Unsere Siedlung in Palästina ist zwar ein Werk unseres Eigennutzes, aber sie kommt auch dem Lande selbst zugute. Man befürwortet gewöhnlich die Palästina-Siedlung damit, daß sie der türkischen Regierung große Einnahmen bereite. Wohl ist auch dies eine wichtige Leistung; aber es gibt etwas noch viel Wichtigeres und das ist: die Renaissance des Landes, des Bodens. Unsere Siedlung hat die Landwirtschaft, die Industrie und den Handel des Landes gefördert. Wer das Land vor dreißig Jahren kannte und es jetzt wieder sieht, kann sich der Einsicht nicht verschließen, daß hier vieles geleistet wurde. Unsere Siedlung hat die auf Wissenschaft und Fortschritt begründete Arbeit in das Land gebracht. Jede unserer Kolonien ist ein Muster; jede Ansiedlung ein Beispiel für die ganze Umgebung. Und unsere Arbeit hat die günstigsten Aussichten! Wir wissen ganz genau, wie sich die ottomanische Regierung zu unserem Volke seit Jahrhunderten verhalten hat. Es gibt kein Land in der Welt, in dem die Juden so weitgehende Gleichberechtigung — und nicht bloß auf dem Papiere — genießen, wie in der Türkei. Die höchsten Aemter im Staat wurden an Juden gewährt, insofern sich Personen unter uns gefunden haben, die sie bekleiden konnten. Die Regierung hat auch mehrere Male ihr volles Vertrauen zu den jüdischen Bürgern ausdrücklich ausgesprochen. Wir haben auch alle möglichen politischen Rechte, von den Gemeinderatswahlen bis zur Parlamentswahl, und die Regierung weiß, daß wir an dem Fortschritt des Landes ehrlich mitarbeiten. Wir sollten unsern Stolz darein setzen, so viele Staatsbeamte als möglich aus unserer Mitte zu entsenden; und wir sollten es nicht erleben müssen, daß im Jerusalemer Bezirksamte ein Vertreter der Armenier, die vielleicht einige hundert Seelen in der Gegend haben, sitzt, und