Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 210 — sächlich dem Pflanzungs- und Arbeiterproblem gegolten, so soll sie jetzt dem Kleinkolonisten gelten. Es ist zu hoffen, daß sich in absehbarer Zeit der Typus eines Kleinkolonisten herausbilden "wird, der aus diesen Nebenzweigen eine ausreichende Existenz hat und für seine Installation keines größeren Kapitals als vier- bis sechstausend Franken bedarf. Wie außerordentlich dies unsere Kolonisation stärken würde, brauche ich wohl kaum zu sagen. Wenn überhaupt die landwirtschaftlichen Nebenzweige sich jetzt erhöhter Beachtung erfreuen, so ist dies — neben der schon erwähnten Bedeutung der Farmen für die Milchwirtschaft und der neu eingerichteten Wasserleitungen für den Gemüsebau — dem Umstände zu verdanken, daß die Kolonien in Judäa jetzt zum ersten Male einen Markt für diese Produktion haben. So lange Teil Awiw nicht bestand und die kaufkräftigen Juden von Jaffa in der ganzen Stadt zerstreut waren, konnten die Juden mit den Arabern schon deshalb nicht konkurrieren, weil der Araber seine Produkte nicht nur produziert, sondern auch direkt durch seine Familiemitglieder auf dem Wochenmarkt verschleißt. Seine Frau oder ein Kind sitzen den ganzen Tag mit ein paar Hühnern oder etwas Gemüse auf dem Markt. Das konnten und wollten die Juden nicht nachmachen, und sie konnten deshalb ihre Produkte nicht oder nur zu niedrigen Preisen im Kleinverschleiß absetzen. Jetzt ist es, wenigstens in Teil Awiw, anders geworden. Da die Konsumenten zusammen wohnen, ist es möglich, große Verkaufsstellen für alle Produkte einzurichten und so die jüdischen Produzenten, sei es durch ihren Zusammenschluß zu Konsumvereinen, sei es durch einen von Produzenten und Konsumenten gleichmäßig kontrollierten Zwischenhändler, in nahe Verbindung zu bringen. Diese Bedeutung der Konzentration der Juden in eigenen Stadtteilen ist bisher noch wenig gewürdigt worden; und doch ist sie vielleicht berufen, uns den so lange vergeblich erträumten jüdischen Kleinkolonisten zu ermöglichen, der von zehn bis zwanzig Dunam Boden leben kann. Wenn nicht schon hinreichend andere Gründe sozialer und kultureller Art dafür sprechen, Stadtviertel nach dem Muster von Teil Awiw auch in allen anderen Städten zu schaffen, so sollte allein diese Rücksicht auf die Förderung der landwirtschaftlichen Kolonisation dafür genügen. Ein Hindernis gibt es beim landwirtschaftlichen Kleinbetrieb noch zu überwinden, d. i. die Untätigkeit der Familienmitglieder. Ich hörte kürzlich ein Gespräch zwischen einem jüdischen Kolonisten aus Petach-Tikwah und einem deutschen Bauern aus Sarona. Es drehte sich um die Einführung der Milchwirtschaft bei den Juden. Der Deutsche erkannte an, daß die jüdischen Kolonien in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht hätten, und seine Einwendung gegen die Prosperität der Milchwirtschaft bei den Juden beschränkte sich auf die Worte: „Ich glaube nicht, daß Eure Frauen nachts um 3 Uhr aufstehen werden, um die Kühe m melken." Er hat damit in der Tat den wundesten Punkt berührt. Wir haben bisher so viel mit der Heranbildung der Kolonisten zu tun gehabt, daß wir darüber die Kolonistin vollständig vergessen haben. Und doch ist ihre Mithilfe unerläßlich. Viele Kolonisten kommen im Hause "-'m