Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 11 (1914) Wien, 2. bis 9. September 1913
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 119)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 112 — Zentrum ist in Deutschland, und die Zionisten dienen deutschen politischen Interessen. Es ist dies von denselben Feinden ausgegangen, die nachdem sie alles in der Türkei gegen uns ausgenützt hatten, uns nun auch vielleicht die Sympathien Englands verscherzen wollen. Wir hatten den Kampf in London und wir führen diesen bitteren Kampf in England und überall, um festzustellen, daß wir weder deutsch, noch englisch, weder französisch, noch russisch, sondern daß wir einzig und allein jüdisch fühlen und denken. (Stürmischer Beifall.) Seien Sie sich der Tragweite dieser Erklärung bewußt, die ich aus ganz klaren und bestimmten Gründen hier vorzubringen gezwungen bin. Zu gleicher Zeit muß ich Sie an die Worte erinnern, oder Ihnen dieselben mitteilen, die von ganz hoher Seite gemacht worden sind, und die der Leitung als Fingerzeige, als Richtlinien für die Zukunft dienen müssen. Es heißt und es wird wiederholt — ich wiederhole die englischen Worte, damit Sie wissen, wie sie gesagt worden sind — 1. „Get your people back to the land." — „Bringen Sie Ihr Volk zurück zum Lande." 2. „Beggars are no chasers." — „Bettler, die draußen stehen, haben kein Recht, etwas zu verlangen oder zu wählen." 3. „Possession is nine points of the law/' — „Wer den Besitz hat, der hat auch das Recht/4 (Stürmischer Beifall.) Und nun zum Schluß einige Worte für die Zukunft. Womit gehen Sie nach Hause? Ich sage Ihnen, womit Sie nach Hause gehen: Mit den neuen Problemen, die sich jetzt in unserer unmittelbaren Nähe entwickeln, die aber, wenn sie recht erfaßt werden und wenn jetzt richtig manipuliert wird, von ungeheurer Bedeutung für uns werden können und für den Erfolg unserer Arbeit. Wir müssen die Emigration der türkischen jüdischen Untertanen auf dem Balkan nicht nach dem Westen einsetzen lassen, sondern nach dem Osten. (Lebhafter Beifall.) Das ist praktische Politik. Denn wir bringen türkische Untertanen in das Land ihrer Väter, die mit der Sprache, mit den Sitten, mit den Gesetzen und mit allem absolut vertraut sind und denen keine Hindernisse je in den Weg gelegt werden können. (Beifall.) Es ist ein großes Werk. Und wenn ich mir gestatten darf, werde ich Ihnen auch sagen, was Sie zu Hause zu tun haben: Schaffen Sie jüdische Schulen mit jüdischem Geiste (Beifall), wo die jüdische Geschichte, wo die Ahnensäle unserer Vorfahren den Kindern vorgeführt werden, wo die Geographie Palästinas ihnen handgreiflich gemacht wird, wo ihnen die Hoffnungen der Vergangenheit beigebracht werden und wo ihnen gesagt wird: Dort liegt euere Zukunft, bereitet euch vor, dort euer Glück und unser Glück zu suchen und zu finden! (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Vizepräsident Dr. Bodenheirner: Ich habe nur noch einige Mitteilungen zu machen. Der Verband der türkischen Israeliten zu Wien ladet das Präsidium und die Delegierten des XL Kongresses zu einem feierlichen Gottesdienste ein, den er Freitag, abends um i/27 Uhr, und Samstag, morgens um 8 Uhr, in seinem Tempel, Zirkusgasse 22, veranstaltet. Die in die Rednerliste eingetragenen Herren versammeln sich auf Zimmer 20 zur Wa/hl der Generalredner, und zwar sofort nach der Sitzung. Die Poale Zion versammeln sich um 1/22 Uhr im Beethovensaal, Zimmer Nr. 6. Herr Simon hat Ihnen noch einige Mitteilungen zu machen. Vizepräsident Simon: Heute abend wird im hebräischen Theater ein Stück Herzls „Das neue Ghetto" in hebräischer Sprache aufgeführt. Es ist nicht unsere Art, von dieser Tribüne aus Theatervorstellungen anzukündigen. Hier aber glauben wir eine Ausnahme machen und besonders darauf aufmerksam machen zu müssen, welche Bedeutung die