Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 312)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 312 — Unsere Parolen sollen dabei sein: a) Allgemeine Organisierung und Regelung der jüdischen Auswanderung, b) Erforschung aller Arbeitsmöglichkeiten im Orient und möglichste Ablenkung des Auswanderungsstromes nach dem Orient." Bis zu diesem Punkte sind wir alle einig. Der letzte Punkt ist verschieden von uns vorgeschlagen. Das, was ich Ihnen vorlese, ist die Ansicht alier Mitglieder der Kommission, mit Ausnahme des Herrn T r i e t s c h (liest): „Der Kongreß empfiehlt dem Palästinaressort bzw. dem E. A. C, mit den für Palästina und überhaupt für die Türkei existierenden Informationsbureaus in Verbindung zu treten zwecks Koordinierung ihrer Tätigkeit und Gründung weiterer Bureaus für die Emigration nach dem Orient." Ich will Ihre kostbare Zeit durch eine weitere Begründung der Anträge, die eigentlich schon aus den gestrigen Referaten resultieren, nicht weiter in Anspruch nehmen; sollte aber eventuell eine Debatte sich daran knüpfen, werde ich noch das Wort dazu ergreifen. Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! Ich habe mich, in der übrigens einschließlich von 3 Antragstellern nur von 4 Mitgliedern besuchten Kommission, an der Umarbeitung der M o t z k i n sehen Resolutionen, die ursprünglich der Hauptsache nach auf die Emigration in die Zerstreuung sich bezogen, im zionistischen Sinne in der Hoffnung beteiligt, daß die Gegenseite meine positive, präzise und praktische Forderung eines zionistischen Emigrationsamtes, des Emigrationsamtes der Sammlung, schließlich anerkennen werde. Das ist nicht geschehen. Ich muß daher auch meinen Antrag vor den Kongreß bringen. Er ist redaktionell ein klein wenig umgeändert und lautet jetzt (liest): „Der Kongreß beschließt die Schaffung eines zionistischen Emigrationsamtes mit dem Sitze in Berlin und mit folgenden Zwecken: 1. Sammlung informativer Materialien über alle Möglichkeiten jüdischer Einwanderung nach Palästina und anderen (vorzugsweise den nächstgelegenen) Gebieten des osmanischen Reiches, 2. Vefbreitung dieser Informationen, 3. Realisierung (resp. Beihilfe zur Realisierung) der gefundenen Möglichkeiten." Der erste Antrag, den Sie von Herrn M o t z k i n gehört haben, schließt den zweiten Teil nicht aus. Ich schlage aber vor, meinen Antrag als den zionistisch positiveren zuerst anzunehmen und dann den Teil des M o t z k i n sehen Antrages, über welchen Uebereinstimmung in der Kommission herrschte. Del. Dr. Samuel Daiches: Ich möchte Sie bitten, diese Resolutionen nicht anzunehmen, da ich der Ansicht bin, daß die Emigrationstrage nicht in den Zionistenkongreß hineingehört. (Widerspruch.) Ich glaube, daß wir unsere Kräfte nur zersplittern werden. Die großen Organisationen der Kolonisation werden sagen, was wollen Sie uns dreinreden, wir haben das Geld und werden so tun, wie es uns paßt. Dann sehe ich in der Behandlung der Emigrationsfrage durch die zionistische Organisation eine große Gefahr. Meine Damen und Herren! Es gab immer Emigrationen im jüdischen Volke, es gab keinen Tag in der jüdischen Geschichte, auch noch vor dem Auszug aus Aegypten, an dem es keine jüdische Emigration gab. Zur Zeit des Bestandes des jüdischen Volkes gab es unzählige Ansiedelungen von Juden im ganzen Orient, in ganz Aegypten und in den anderen Ländern. Der große Unterschied war aber der: Das Zentrum war in Palästina und darum waren wir ein Volk. Die' alleinige Autgabe der zionistischen Organisation und des Kongresses ist es daher, dafür zu sorgen, daß ein solches Zentrum wieder geschaffen werde. Alle anderen