Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 310)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 310 — Vizepräsident Dr. Marmorek: Diejenigen Delegierten, welche für diesen zweiten Teil des Absatzes 3 sind, wollen die Hand erheben. (Geschieht. — Unruhe.) Ich bitte um Ruhe während der Abstimmung. Wollen Sie doch Ruhe behalten! Ich bitte um die Gegenprobe. (Nach einer Pause.) Der Antrag ist angenommen, somit ist die Geschäftsordnung erledigt. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Zahlreiche Zwischenrufe. — Lärm.) Ruhe! Ruhe! Der Herr Del. Stand hat zu einer Erklärung das Wort. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Andauernde« Unruhe.) Ich bitte um Ruhe! Ich bitte den Herrn Del. Stand ruhig anzuhören. (Andauernde Unruhe.) Del. Stand: Habe ich das Wort, Herr Präsident? Vizepräsident Dr. Marmorek: Ich bitte. Del. Stand: Hoher Kongreß! Ich habe eine Frage an unsern verehrten Präsidenten David Wolffsohn zu richten. Herr David W o 1 f f - söhn, unser verehrter Präsident, hat sich in seiner Rede anläßlich der Generaldebatte über die Landespolitik der galizischen Zionisten geäußert. Einige Blätter, die uns bei jeder Gelegenheit scharf kritisieren, die uns Todfeinde sind, haben diese Sätze in einer Weise ausgelegt, als ob Herr Präsident Wolffsohn unsere Aktion, unsere Tätigkeit verdammt hätte. Ich kann kaum annehmen, daß ein Mann von der Autorität wie es Herr Wolffsohn ist, einer solchen Kritik unserer Tätigkeit ,nahe steht. Wenn es nur eine politische Tätigkeit wäre, hätten wir sie nicht begonnen. Sie ist aber in eminentem Sinne eine kulturelle Tätigkeit; denn sie hebt das Niveau der galizischen Massen. Sie ist in eminentem Sinne eine moralische Tätigkeit; denn sie trachtet, den Boden den Demoralisierern, den Brunnenvergiftern zu entziehen, die diese Presse bestechen (Stürmischer Beifall und Händeklatschen) und von denen diese käufliche Presse lebt. Es ist unsere Pflicht als Juden, diesen Herren, die, wenn sie gewählt werden, unsaubere Geschäfte machen, den Boden zu entziehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Unsere Tätigkeit ist, wie ich sagte, eine eminent kulturelle und eine eminent moralische. Ich stelle hiermit die Frage an unseren verehrten Präsidenten David Wolffsohn, wie er sich zu dieser Sache stellt. Ich könnte die Frage auch nicht an ihn stellen, denn, wie es heißt, wird er nicht mehr Präsident der Bewegung sein. Aber David Wolffsohn bleibt David Wolffsohn. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Er war der Führer der Bewegung und bleibt sein Leben lang eine autoritative Person in unserer Bewegung, dessen Worte für uns gelten. (Lebhafter Beifall.) Ich stelle hiermit die Frage: Wie denkt Herr David Wolffsohn über diese hochkulturelle, moralische Arbeit der galizischen Zionisten? (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Marmorek: Das Wort hat Herr Wolffsohn. Präsident Wolffsohn (mit stürmischem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Geehrter. Kongreß! Es ist mir selbstverständlich nicht eingefallen, die Arbeiten unserer Freunde in Galizien zu verurteilen oder gar zu verdammen. Ich hatte Gelegenheit, unsere Freunde in Galizien bei ihrer Arbeit zu sehen und hege Sympathie und Bewunderung für die schwere und mühevolle Arbeit, der sie sich unterzogen haben. Ich stehe aber selbstverständlich, wie ich bereits hier gesagt habe, auf dem Standpunkt, daß unsere Gesamtorganisation (Sehr richtig!) sich in keiner Weise mit der Landespolitik einzelner Länder zu befassen hat, aus den Gründen, die ich ebenfalls schon angeführt habe. Für die Männer, die in .Galizien für die jüdischen Interessen arbeiten, muß jeder, der ein jüdisches Herz hat, Sympathien und Bewunderung (empfinden. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Präsident Wolffsohn und Del. Stand schütteln sich die Hände. — Erneuter stürmischer Beifall und Händeklatschen.)