Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 303)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 303 — Del. Dr. Loewe: Ich setze voraus, daß Sie vorher den Ausdruck gebührend rügen, der mir demagogische Mätzchen vorwirft. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Wenn ich das gehört hätte, würde ich den Zwischenrufer zur Ordnung gerufen haben. Del. Dr. Loewe: Der Zwischenrufer wird sich melden. Del. Dr. Becker: Ich habe den Zwischenruf gemacht. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich rufe Herrn Dr. Becker zur Ordnung. Ich frage, ob der Antrag auf Streichung zuerst vorgenommen werden soll. Es handelt sich zunächst um die Reihenfolge. Wer dafür ist, daß der Antrag auf Streichung des § 18 zuerst zur Abstimmung gelange, bitte ich, die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. Jetzt kommen wir zur Abstimmung über den Antrag selbst. Del. Dr. Becker: Das geht doch nicht. Der Kongreß hat ja vorhin etwas ganz anderes beschlossen. Präsident Wolffsohn: Der Kongreß steht doch über seinen Beschlüssen und kann sie ändern. Del. Dr. Becker: Aber der Kongreß steht doch nicht über der Logik. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Herr Dr. Becker, ich beziehe den Ordnungsruf von früher auch auf diese Aeußerung! (Heiterkeit und Beifall.) Wer dafür ist, daß § 18 gestrichen werde, bitte ich die Hand zu erheben. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag Samuel Daiches auf Streichung des § 18 ist somit angenommen. Referent Dr. Margulies: Hoher Kongreß! Der Antrag des Herrn Dr. Daiches, den Sie soeben angenommen haben, war von seinem Standpunkte aus sehr geschickt. Aber er versetzt uns jetzt in die Lage, daß wir überhaupt keine Bestimmung hier haben. (Sehr richtig!) Und wir brauchen eine Bestimmung. Sie haben eine Lücke geschaffen. Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Diese Lücke wird der nächste Kongreß ausfüllen. Referent Dr. Margulies: Wie wird er das machen? (Zwischenrufe.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Es kommt nun § 22. Präsident Wolffsohn: Geehrter Kongreß! Ich höre eben, daß der Herr Referent beantragt hat, die Worte im letzten Absatz des § 22, „nach freiem Ermessen" zu streichen. Ich bitte Sie, sich nur zu vergegenwärtigen, was in den letzten Tagen hier mit den Geschäftsordnungsdebatten vorgegangen ist und wieviel Zeit uns dieselben geraubt haben, wie man damit manchmal das Wort sich erzwungen hat, und wie der Präsident gar nicht in der Lage ist, die Worte des Redners, der einmal hier oben steht, genau zu kontrollieren. Wenn die Worte einmal draußen sind, hat es auch keinen Zweck, nach einer Manier, die mir unverständlich ist, zu sagen, ich habe das Wort zurückgenommen. Das ist so, wie wenn man sagt, du bist ein Spitzbube, und, wenn der andere dann aufschreit, sagt man, ich nehme die Worte zurück. Ebenso ergeht es uns hier manch* mal bei den Geschäftsordnungsdebatten. Nachdem wir uns jedesmal unseren Präsidenten wählen, der das Vertrauen möglichst aller oder zumindest der großen Majorität genießt — denn er muß die Minorität schützen und die Rechte der Majorität wahrnehmen — so glaube ich, daß wir diesem Präsidenten soviel Vertrauen entgegenbringen können, und eine Bestimmung aufnehmen, damit mit dem Rufe: „Zur Geschäftsordnung" nicht Mißbrauch getrieben werden kann und unsere kostbare Zeit verloren geht. Ich wundere mich, daß die Kommission,