Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 244)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 244 — Hoher Kongreß! Unsere Organisation in dieser juristischen Form, in welcher ich sie Ihnen hier vorzulegen die Ehre habe, wird nicht viele interessieren, aber sie soll uns ein Instrument sein für die Aufgaben, welche wir zu lösen haben, eine Zusammenfassung aller derjenigen, die sich zum zionistischen Programme bekennen. Und noch etwas: Das Organisationsstatut soll auch dazu dienen, die Differenz, die ^wischen der Weltanschauung der Zionisten und der der anderen Juden besteht, nicht zu verflachen und zu verringern, sondern zu vergrößern, denn ich glaube, hoher Kongreß, wir müssen uns dessen bewußt sein, daßuns von den anderen eine tiefe Kluft trennt und daß ein zionistischer Verein nicht einem der anderen jüdischen Vereine gleich zu achten ist. Die zionistischen Gruppen, die zionistischen Vereine, das sind alles bloß notwendige Uebel zur Zusammenfassung einer ganz anderen, einer viel größeren Idee, als sie in allen anderen, Vereinen zum Ausdrucke kommt. Ich will nicht darüber streiten, ob wir eine Partei, ob wir das Volk selbst sind oder eine Bewegung im jüdischen Volke; alles ist richtig, mein hoher Kongreß, aber alles ist nur zum Teil richtig. Aber eines wollen und müssen wir im Gedächtnis behalten: daß wir damit nicht ein Statut schaffen, wie es manche anderen philanthropischen, von Notabein geleiteten jüdischen Organisationen besitzen, sondern daß wir damit den Rahimen für alle diejenigen schaffen, die sich radikal unterscheiden in ihrer Weltanschauung von der Weltanschauung aller anderen jüdischen Organisationen. Wir können uns wohl gelegentlich einmal mit den anderen in gemeinsamer Arbeit treffen, aber eine Annäherung an die Ideen und den Standpunkt der anderen Organisationen kann es für uns niemals geben,, es sei denn, daß die anderen direkt zu uns kommen. Wenn der Zeitpunkt kommt, wo wir das Gefühl haben, daß wir uns den Anschauungen der anderen Organisationen genähert haben, dann müssen wir uns sagen: es besteht eine gewisse Gefahr für den Zionismus und seinen Gedanken, und wir müssen uns dann dessen bewußt sein, daß wir einen Schritt < vorwärts zu machen haben, um die Differenz in der Weltanschauung zwischen unserer Organisation und den anderen in der gleichen Tiefe zu erhalten. Dazu, hoher Kongreß, soll uns dieses so ungemein abstrakte und langweilige Instrument dienen, aber wir müssen dieses abstrakte und langweilige Instrument der Organisation mit wirklichen Gedanken und Ideen erfüllen. Wir müssen uns dessen bewußt sein, wir begraben den Zionismus, wenn wir die Organisation als eine Zusammenfassung von Vereinen und nicht als eine Zusammenfassung von Persönlichkeiten mit einer bestimmten Weltanschauung auffassen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Bodenheimer: Ich lasse zunächst einige geschäftliche Mitteilungen verlesen.