Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- – (sequence 194)
- Language
- German, English, Hebrew
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IV. Tag Sonntag, den 13. August 1911 NACHMITTAGS-SITZUNG Beginn 4 Uhr. Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Diese Sitzung wird im ganzen der wichtigen Frage der geistig-kulturellen Renaissance gewidmet sein. Bevor ich Herrn Sokolow zu seinem Referate das Worte erteile, ersuche ich den Herrn Sekretär, einige Mitteilungen zu machen. Sekretär Dr. Rosenblüth: Montag abend findet im Kongreßsaale des Stadtkasinos ein Vortrag des Herrn Dr. Z o 11 s c h a n über das Rassenproblem und die Judenfrage statt. Folgendes Telegramm ist aus Haag eingelangt. Jakobus und Anna Kann tragen den verstorbenen Maier Josef Israels in das Goldene Buch ein. (Beifall.) Del. Syrkin (hebräisch): Ich habe mir das Wort zu einer persönlichen Bemerkung erbeten. Ich bedaure sehr, daß ich heute einige scharfe Bemerkungen gegen Herrn Trietsch gebraucht habe. Es geschah nur aus meiner grenzenlosen Verehrung zu Dr. Herzl. (Beifall.) Vizepräsident Ussischkin (hebräisch): Das Wort hat Herr Soko- 1 o w. Stürmischer, lang andauernder, sich immer erneuernder Beifall und Händeklatschen.) Referent Del. Sokolow (hebräisch): Hochverehrter Kongreß! Es gab eine Zeit, in der wir unsere nationale Sprache wie einen Augapfel wahrten und pflegten. Sie wurde nicht nur in ihrem Lande in grauer Vorzeit geschützt und erhalten, sondern auch in den Ländern des Exils, nicht nur in Synagogen und Lehrhäusern, sondern auch in Gemeindestuben und in den Familien, in den Wohnräumen der Reichen und in den Hütten der Armen —, überall, wo ein jüdisches Herz schlug. Man labte sich an ihr, man gab sich alle erdenkliche Mühe, ihre Gesetze zu erforschen, ihren Geist zu erfassen, die feinsten Regungen und Töne ihr abzulauschen. Es gab eine Zeit, als sie betete, sang, lehrte, erzog und unterrichtete in Glaube und Geschichte, im Leben des Volkes und in den Angelegenheiten der Gemeinden. In dieser Sprache schrieb der Rabbi seine Thoraerklärungen, der Forscher die Ergebnisse seiner Studien, die Kehillah ihre Erinnerungen und Memorbücher; jeder Verein, klein oder groß, es mochte auch nur ein Verein von armen Handwerkern gewesen sein, das allererste, was er tat, war die