Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1911-01-01 · 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911 · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
Date
1911-01-01
Page
Seite 156 (sequence 156)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476274--3701-3479843
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 156 - des Nationalfonds geachtet und geehrt werde, dann setzen Sie sie einfach an unsere Stelle, ich habe nichts dagegen, wenn der Kongreß einverstanden ist, aber ich glaube nicht, daß diese Leute die Sache des Nationalfonds besser verwalten und die Siedlung in Palästina eine größere Blüte erlangen wird als nach den Grundsätzen, die wir durchaus im Einklang mit den Forderungen, die das gesetzestreue Judentum beobachtet, treffen. Ich 'glaube aber, meine Herren, Sie sollten so etwas nicht tun wegen einer Angelegenheit wie „Ein Ganim", wegen einer Versammlung in Palästina, auf der Uebertretungen des Gesetzes von einzelnen Leuten erfolgt sind, über die wir keine Macht haben und auf die wir keinen Einfluß ausüben können, auf die auch Sie keinen Einfluß ausüben können. Denn glauben Sie, meine Herren, daß diese Arbeiter, die nicht einmaL vor dem Cherem eines Rabbiners Respekt und Achtung haben, davor Respekt hätten, wenn w i r einen Cherem auf Grund des jüdischen Gesetzes aussprechen würden? (Sehr richtig!) Was sollen wir tun, es bleibt keine Möglichkeit, als den Ausweg zu wählen, den auch Herr Dr. L e v i n angedeutet hat: Schicken Sie Jhre Söhne, schicken Sie die jungen Leute, die auf dem Boden des Gesetzes stehen und starke Arme und den guten jüdischen Geist haben, nach Palästina, daß sie Seite an Seite mit den, anderen jungen Leuten, die jetzt dorthin gezogen sind, um sich in den Dienst der Siedlung zu stellen, arbeiten. Lassen Sie sie mit ihrem Herzblute für unsere Sache einstehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Geben Sie uns Ihr Geld und die jüdischen Arbeiter und wir werden gemeinschaftlich versuchen, auf dem Boden des alten jüdischen Jischüb die Siedlungen in Palästina neu zu erwecken. (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Vizepräsident Dr. Tschlenow: Geehrter Kongreß! Wir werden heute bis 7 Uhr tagen, ich bitte also, noch 20 Minuten sich in Geduld zu verhalten, dann sind wir zu Ende. Ich denke, Sie haben alle sehr aufmerksam unseren Generalrednern und auch den Bemerkungen gelauscht, die eben der Vorsitzende ,des Direktoriums abgegeben hat. Und alle, glaube ich, haben wir mit Freuden zwei Schlüsse vernommen: Die Forderungen der Misrachisten beziehen sich ausschließlich auf öffentliche Institutionen und Einrichtungen. Von keiner Seite wird irgendein Anspruch erhoben auf Einmischung in das Privatleben. Was erseteres betrifft, so habe ich bereits im Namen des Präsidiums erklärt und Dr. Bodenheimer im Namen des N. F., daß wir selbst bemüht sind, in unseren öffentlichen Institutionen das jüdische Gesetz zu respektieren. Wenn Herr Berlin meint, daß ihm das nicht genügt — (Del. Berlin: Das habe ich nicht gesagt!) Herr Berlin hat es leider gesagt. (Del. Berlin: Ich nehme es zurück!) Da wird er im Einklänge mit dem ganzen Kongresse sein, denn ich denke, der ganze Kongreß wird sich mit solchen öffentlichen Erklärungen seitens der leitenden Körperschaften begnügen wollen. Das würde nur bedeuten, daß er zu sich selbst Vertrauen hat und, wenn Sie sich damit begnügen,, denke ich, daß diese Erklärungen auch genügen und daß wir dann keine Extrabeschlüsse brauchen. (Beifall.) Und wenn von keiner Seite der Wunsch geäußert wird nach einer Einmischung in das Privatleben,, nach einem Hineinschauen in die Seele des anderen, dann haben wir die Plattform gewonnen, auf der wir Zionisten aller Richtungen gemeinschaftlich, brüderlich, friedlich arbeiten können. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist vielleicht ein Omen, daß wir diese Ueberzeugung gerade in dem Moment gewonnen haben, wo der Tag des Friedens eintritt: wir stehen eben vor Sabbat, das ist die Zeit, wo der Friede in die Seele jedes frommen Juden einzieht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es freut mich, daß wir alle gerade in dieser Stunde zu der Ueberzeugung gekommen sind, daß die Orthodoxen und die Freisinnigen, daß wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.