Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 10 (1911) Basel, 9. bis 15. August 1911
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 31 — bisherigen Geschäftsordnung keine Redeordnung für den Kongreß. Infolgedessen haben wir auf dem vorigen Kongreß bis zu 116 Rednern zu einem Punkte auf der Rednerliste gehabt, ohne daß irgendwie festzustellen war, ob sie die Stimmung des Kongresses in einer richtigen Weise zum Ausdruck brachten. Die Rednerliste muß deshalb zuverlässig festgestellt werden, damit nicht wieder wie auf dem vorigen Kongreß, irgendeine Fraktion mit einem Schlag 17 Redner, einen nach dem anderen, auf die Rednerliste schreibt, so daß man 17 Redner hört und meint, daß eine kleine Fraktion die Mehrheit des Kongresses darstellt. Selbstverständlich hat ja der Kongreß jeden Augenblick das Recht, wenn sich irgend Schwierigkeiten herausstellen sollten, eine Diskussion über die neue Geschäftsordnung zu eröffnen. Präsident Wolffsohn: Ich werde zunächst über den Antrag Rosenthal abstimmen lassen. (Rufe: Zur Geschäftsordnung!) Wir können jetzt keine Geschäftsördnungsdebatte führen, wir haben keine Zeit dazu. Ich bitte um Ruhe! Der Antrag Rosenthal geht dahin, die neue Geschäftsordnung zusammen mit dem Organisationsstatut zur Debatte zu stellen und vorläufig nach der alten Geschäftsordnung zu tagen. Das ist, glaube ich, der weitestgehende Antrag. Del. Dr. Bodenheimer: Der weitestgehende Antrag ist der Antrag -des Präsidenten. Präsident Wolffsohn: Nein! Der weitestgehende Antrag ist der Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung. Soll ich diesen Antrag übersetzen lassen, oder ist er verstanden worden? (Rufe: Wir haben ihn verstanden!) Wer dafür ist, daß die Geschäftsordnung mit dem Organisationsstatut zusammen beraten wird und daß bis dahin nach der alten Geschäftsordnung getagt werde, erhebe die Hand. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe. (Dieselbe erfolgt.) Der Antrag ist angenommen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das Wort hat jetzt der stellvertretende Vorsitzende des Permanenzausschusses, Herr Dr. W e i z m a n n. Del. Prof. Dr. Weizmann (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Geehrter Kongreß! Namens des Permanenzausschusses habe ich die Ehre, Ihnen als Präsidenten des Kongresses unseren Max Nordau vorzuschlagen. (Stürmischer, langandauernder, sich immer wieder erneuernder Beifall und Händeklatschen — die Versammlung erhebt sich.) Präsident Wolffsohn: Herr Dr. Nordau ist als Präsident des Kongresses vorgeschlagen. Wer dafür ist, erhebe die Hand. (Geschieht.) Herr Dr. Nordau ist zum Präsidenten des Kongresses gewählt. (Erneuter stürmischer, minutenlanger Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr. Nordau: Geehrter Kongreß! Ich bin Ihnen tief dankbar für die Gesinnung, als deren Ausdruck ich diese Wahl wohl ansprechen darf. Ich würde aber eine schwere Pflichtversäumnis begehen, wenn ich ein Amt annehmen würde, dem ich mich physisch nicht gewachsen fühle. Ich danke Ihnen wiederholt und bitte Sie, von meiner Wahl abzusehen. (Lebhafter Widerspruch.)