Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 473)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 473 — Hierin besteht also der Wort und die Bedeutung einer guten Organisation, daß die Gesundheit, die Lebens- und Entwicklungsfähigkeit der Gesamtheit durch dieselbe bedingt ist. Darum hoffe ich, ciarauf rechnen zu dürfen, dal.) auch Sie trotz der trockenen Sachlichkeit dieses Gegenstandes demselben die gebührende Aufmerksamkeit schenken werden, in der Überzeugung, damit die Größe und Zukunft unserer Bewegung zu sichern. Es ist auch nicht das erste Mal, daß wir Änderungen an der Organisation beraten, nachdem auf Grund meines Referats das erste provisorische Statut geschaffen worden war. Ich habe selbst damals der Uberzeugimg Ausdruck gegeben, daß dieses Statut den Zwecken der Bewegung nicht ausreichend dienen könne. Wir mußten gewissermaßen alles ab ovo aus dem Nichts schaffen und konnten uns nicht einmal nach Vorgängen bei andern Parteigruppierungen richten, da die Verhältnisse innerhalb der zionistischen Bewegung ganz eigenartig gestaltet sind. Auf dem. III. Kongreß wurde dann auf Vorschlag des A. C. ein Organisationsstatut angenommen, welches den Anspruch zu erheben schien, für die Dauer berechnet zu sein. Aber Herzl sah binnen kurzem, daß dieses in lapidaren Zügen verfaßte Statut den Ansprüchen der Bewegung nicht genüge, und so wurde denn schon auf dem V. Kongreß eine neue grundsätzliche Änderung des Statuts beschlossen. Während die schwierigste Frage bei den Erörterungen dieser Statutentwürfe die Festlegung des Verhältnisses zwischen dem A. C. und den Landesorganisationen sowie die Organisierung von Vereinen und Wahlgruppen bildete, tauchte nach dem Tode Herzls als wichtiger Punkt die Erörterung der Frage auf, wie das A. C. zweckmäßig zusammenzusetzen sei. Es ergab sich daraus schon auf dem ArIL Kongreß die Notwendigkeit einer neuen Änderung des Organisationsstatuts. Trotz aller dieser Verbesserungen mußte sich der VIII. Kongreß wieder mit einer Organisationsberatung befassen, die nach Ansicht des Herrn Pragmaticus in der „Jüdischen Rundschau" „eine unfruchtbare Spielerei" ist. Es ergab sich nämlich die Notwendigkeit, die Frage der Leitung von neuem zu ventilieren. Sie sehen also, daß unser Organisationsstatut bis heute noch keine Einrichtung war, von der man sagen konnte, daß sie in befriedigender Weise funktioniert hätte und daß man für sie das Prinzip in Anspruch nehmen könnte, sie als etwas Fertiges und Unantastbares zu betrachten; im Gegenteil geht aus diesem geschichtlichen Rückblick hervor, daß der Kongreß sich statt der Radikalkur einer fundamentalen Änderung des Statuts stets mit Flickarbeiten auf der unzulänglichen Grundlage des ersten Entwurfs begnügt hat. Die Furcht vor öden Statutenberatungen darf nicht so weit gehen, die wichtigsten Grundlagen der Bewegung zu vernachlässigen. Wir freuen uns gewiß, wenn ein aufmerksames und interessiertes Publikum und die Damen in schönem Kranz an den Verhandlungen des Kongresses Anteil nehmen. Der Kongreß tagt aber doch nicht für die Galerie und um wirkungsvolle Reden zu hören, sondern um die ernstesten Aufgaben des jüdischen Volkes zu erfüllen, und dafür ist wirklich keine Zeit zu kostbar und keine Debatte zu trocken und zu öde. Ich komme nun zu dem Einwurf, daß die Mängel des gegenwärtigen Organisationsstututs nicht so bedeutend seien, um ein neues Statut zu schaffen. In dieser Hinsicht ist die Meinung der bisherigen Leitung der Bewegung meiner Meinung nach nicht von geringem! Gewicht als diejenige der Herren Dr. Möller. Rosenfeld und Pragmaticus, welche glauben, daß man auch mit dem bisherigen Statut weiterarbeiten könne. Die Meinung der bisherigen Leitung des E. A. C. geht aber mit aller Bestimmtheit und Deutlichkeit dahin, daß das jetzige Statut nach verschiedenen Richtungen hin kein geeignetes Mittel ist. um die in der ganzen Welt zerstreute Bewegung auszugestalten und zu fördern. Die Hauptfehler des alten Statuts bestehen in folgenden Punkten, die ich gleich zu Beginn meines Referats zusammenfassen will.