Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 472)
- Language
- German, English, Hebrew
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c. Kongressreferat Dr. Bodenheimers über das Organisationsstatut. Sehr geehrter Kongreß! Nur zögernd folge ich dein Hufe des A. C, den Entwurf eines neuen Organisationsstatuts vor dem Kongreß zu vertreten, da gegenüber den wenig freundlichen Äußerungen über diesen Plan Statthaftigkeit und Courage dazu gehört, die Waffen der Dialektik mit so viel tüchtigen Gegnern zu kreuzen. Es sind schwerwiegende Bedenken gegen eine Änderung des bestehenden Statuts laut geworden. Man hat nicht ganz mit Unrecht angeführt, daß das jetzige Organisationsstatut erst auf dein letzten Kongreß geschaffen worden sei und darum die Zeit noch nicht genüge, um mit Bestimmtheit sagen zu können, daß es sich nicht bewährt habe und in welchen Punkten man den Hebel der Besserung einsetzen müsse. Auch ist gesagt worden, daß eine gewisse Unsicherheit dadurch geschaffen werde, wenn fortwährend Änderungen an dem Statut vorgenommen werden. Im großen ganzen sei man mit dem jetzigen Organisationsstatut ausgekommen. Es könne sich nur darum handeln, einige geringfügige Änderungen bezüglich der Leitung vorzunehmen. Sodann hat man auch gegen eine Behandlung der Organisationsfrage auf dem Kongreß geltend gemacht, daß Organisationsfragen bei den Kongreßdelegierten nicht das nötige Interesse erregten und es deshalb nicht angebracht sei, dieselben auf jedem Kongreß aufzuwerfen. Hierdurch könnten wichtigere Angelegenheiten der Bewegung Schaden leiden. Gegen diesen Gesichtspunkt möchte ich mich zunächst mit aller Bestimmtheit wenden. Man braucht die Bedeutung einer guten Organisation für die Bewegung nicht zu überschätzen. Man wird aber doch zugeben müssen, daß die Ideen der zionistischen Weltanschauung und die Politik ohne eine gute Organisation der Bewegung wie ein Wagen ohne Räder wären. Selbstverständlich ist das geistige Leben innerhalb der von zionistischen Ideen erfüllten jüdischen Bevölkerung bedingt durch Verbreitung des jüdischnationalen zionistischen Ideals, und es kann keinem ZAveifel unterliegen, daß eine richtige Politik der Führung in den Geschäften der Bewegung notwendig ist, um das zionistische Ziel zu erreichen. Aber ebensowenig wie es möglich ist, einen Bau zu errichten, der Jahrhunderte überdauern soll, ohne einen guten, wohldurchdachten zweckmäßigen Grundriß, ebensowenig kann die zionistische Bewegung sich entwickeln und ihren Zielen entgegenstreben ohne eine vernünftige Organisation, die den Zwecken der Bewegung, den Gesetzen, unter denen die Juden wohnen, und den Ansprüchen der jüdischen Bevölkerung der einzelnen Länder genügt. Wenn aber der Grundriß eines Gebäudes den ZAvecken, denen dasselbe dienen soll, nicht entspricht, ist das ganze Bauwerk verpfuscht. Nach einem Bild, das ich in meiner ersten Kongreßrede über die Organisation gebraucht habe, kann man diese auch mit dem Nervensystem der höheren organischen Lebewesen vergleichen. Dieses dient dazu, die Empfindungen aus allen Teilen des Körpers in einem Zentralpunkt zu vereinigen und von dieser Zentralstelle aus die Befehle für eine zweckmäßige Handlungsweise, nach allen Eichtungen und Organen des Körpers zu entsenden. Wenn dieses Nervensystem nicht richtig funktioniert, geht der Organismus zugrunde.