Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 463)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 463 — und Hugo Schachtel übertragen, jedoch kann eine erneute Werbung erst nach dem Kongreß in Angriff genommen werden. Hoffentlich werden dann die Erfolge bessere sein. In Ermangelung eines besondern Fonds und bei den geringen Mitteln, welche dem Aktionskomitee durch die Schekelgelder zur Verfügung stehen, mußten in der Berichtsperiode fast alle, zum Teil sogar sehr dringende Anträge auf Bewilligungen aus Palästina zurückgewiesen werden. Nur für die Weiterführung des großen Hebräischen Wörterbuches von Ben Jehuda, sowie für die Anschaffung von Turninstrumenten für das Gymnasium wurden kleine Subventionen bewilligt, die aber nicht vom Kulturfonds, da derselbe noch nicht existierte, sondern von den Schekeleingängen des Aktionskomitees bestritten werden mußten. Es ist ein unserer Ansicht nach unhaltbarer Zustand, der natürlich auch von unsern Feinden in reichem Maße ausgebeutet wird, daß wir nicht imstande sind, irgendwelche in Betracht kommenden Geldmittel den vielen kulturellen Aufgaben in Palästina widmen zu können. Außer der Sorge für die Schulen, die im allgemeinen wohl besser andern Organisationen überlassen bleibt, gibt es in Palästina noch viele andere dringende kulturelle Erfordernisse, wie Förderung der hebräischen Sprache, Bibliotheken, Museen, Zeitschriften, Lesehallen, Fortbildungsanstalten, Toynbeehallen, Wanderlehrer, technische und wissenschaftliche Institute, Vereinigungen wissenschaftlicher und gewerblicher Natur und deren Publikationen, sowie alle die Bestrebungen, welche die Regeneration und Vervollkommnung der Rasse in körperlicher und geistiger Beziehung bezwecken, wie Sport- und Turnvereine. Auch das große Gebiet hygienischer Einrichtungen: gesunde Wohnungen, Volksküchen, Säuglingspflege, Seuchenbekämpfung, Beschaffung guten Trinkwassers gehört in das kulturelle Gebiet. Die Unterstützung dieser Bestrebungen ist eine Forderung, der wir Zionisten uns gar nicht länger verschließen dürfen, falls wir unsere Position in Palästina verbessern wollen. Es geht nicht länger an, daß wir stets bedauernd darauf hinweisen müssen, daß wir keine Fonds hierfür besitzen, während doch jedermann weiß, daß wir jährlich Hunderttausende für den Nationalfonds aufzubringen imstande sind. Es war zweifellos ein Fehler, daß wir der Verwendung der Gelder des Nationalfonds statutarisch so enge Grenzen gezogen und sie ausschließlich für agrarische Bestrebungen festgelegt haben. Da das aber einmal geschehen ist, so ist es unsere Pflicht, wenigstens einzelne Agitationsmittel seitens des Nationalfonds aufzugeben und sie dem Kulturfonds zu überweisen. Vielleicht eignen sich hierfür besonders gut die Marken, Telegrammformulare und Ansichtspostkarten. Wenn hierdurch die Eingänge des Nationalfonds auch um einige Prozent verringert werden sollten, so wird diese Mindereinnahme des Nationalfonds durch die eminenten moralischen Erfolge, welche wir infolge der kulturellen Arbeit