Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 411)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 411 — Der Verbreitung der zionistischen Idee unter der Schuljugend dient die Monatsschrift „Moriah" und die Halbmonatsschrift „Haschachar*. Im Zentralkomitee besteht eine besondere Broschürenkommission, die den Verschleiß und die Verbreitung zionistischer und allgemein-jüdischer Broschüren besorgt. Das Interesse für Palästina ist auch unter Nichtzionisten sehr rege. Die Sammlungen erbringen durchweg Beträge, die im Verhältnis zu der allgemeinen ökonomischen Lage der galizischen Judenheit als sehr hoch bezeichnet, werden müssen. Im letzten Jahre wurde besonders lebhaft die Agitation für die Palestine Land Development Companie und den Bezalel betrieben. Für den Januar 1910 ist eine große Bezalel-Ausstellung in Lemberg in Aussicht genommen. Die Nationalfondssammlung wies eine ganz bedeutende Steigerung auf. Die Resultate erschienen in den Ausweisen unter Österreich, da die Sammlungen von der Sammelstelle in Wien aus geleitet werden. Die. Sammlungen für den Nationalfonds gewinnen immerweitere Kreise, auch unter denNichtzionistenist sie sehr populär. Die Schekelsammlung weist im laufenden Jahre eine beträchtliche Zunahme auf. Die Pflege der hebräischen Sprache wird sehr intensiv betrieben. An vielen Orten wurden hebräische Schulen gegründet, Lesezirkel und Bibliotheken geschaffen. Die Lehrer der hebräischen Schulen haben sich in einem Verbände organisiert. Im April 1909 wurde vom Zentralkomitee der „Hebräische Schulverein für Galizien und die Bukowina" ins Leben gerufen. Dieser Verein hat seinen Sitz in Lemberg und Vertrauensmänner fast in allen Städten des Landes. Er umfaßt gegen 40 hebräische Schulen mü zirka 60 Lehrkräften. Für die kulturelle Hebung der Juden sorgen die in den größten Ortschaften eingerichteten Toynbeehallen, öffentliche Bibliotheken und Lesehallen, die durchweg von Zionisten gegründet sind und meistens auch unter zionistischer Leitung stehen. Die zionistischen Frauen- und Mädchenvereine widmen sich insbesondere der Fürsorge für arme und elternlose jüdische Kinder. Auf Anregung und unter tätiger Mitwirkung der Zionisten sind neuerdings auch eine Reihe jüdischer Turnvereine entstanden. Die zionistische Organisation Galiziens ist auch ein Faktor im innerpolitischen Leben Galiziens geworden. Sie geht an keiner Tagesfrage achtlos vorüber, die die galizische Judenschaft unmittelbar berührt. Die Fragen der wirtschaftlichen und kulturellen Hebung der galizischen Judenheit ist von ihr energisch in die Hand genommen, im Kampf um die politischen Bechte der jüdischen Massen haben die Zionisten die Führung inne. Die intensive Betätigung mit diesen Fragen hat mittelbar auch eine beträchtliche Stärkung der zionistischen Landesorganisation selbst zur Folge gehabt.