Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 390)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 390 — auf dem Gebiete der Gedankenarbeit, aus der es ersichtlich wird,, wie die einzelnen Aufgaben und Arbeiten einander erschaffen, bedingen, erneuern und erhalten. Der Natur unserer Beobachtungen entsprechend, welche Gegenstände behandelt, die mehr geistiger als konkreter Natur sind, konnten wir weder die chronologische Reihenfolge, noch eine scharfe geographische Abgrenzung durchführen, und richteten uns eher nach den Gesichtsqunkten der ganzen Bewegung als nach den festen Punkten der Landsmannschaften und der Institutionen, die nur als Niederschläge der Arbeit und als jeweilige Verkörperung der Bestrebungen erscheinen. 22. Schlußbetrachtung — Palästina — Die Kattowitzer Feier — Der Nordau-Geburtstag So gelangen wir zum Schluß unserer allgemeinen Betrachtungen^ zum Ziel und Mittelpunkt all dieser Arbeit und Bestrebungen. In Palästina werden sich alle jüdischen Organisationen zusammenfinden: sie finden sich zum Teil schon jetzt zusammen. Man könnte uns den Vorwurf machen, daß wir über Palästina nur kurz und erst zum Schluß sprechen, aber dieser Vorwurf wäre töricht. Jeder Gedanke und jeder Satz bezieht sich am Ende auf Palästina. Ist ja Palästina der Zweck und der Inhalt, die Gestalt und der Geist für sämtliche Einrichtungen und Bemühungen, Gegenstand aller Sorgen und Vorbereitungen, und muß es ja bleiben. Wir ziehen dort immer weitere Kreise, und immer tiefer schlagen die Wurzeln, die durch unsere Anregung Nahrung empfangen. Die Grundlagen und die Voraussetzungen für einen Zusammenschluß werden dort geschaffen. Die Verwirrung und Zersplitterung muß überwunden werden. Eine niemals nachlassende Fürsorge für die Landwirtschaft, ebenso für die wohlverstandenen und wohlberechtigten Interessen der städtischen Bevölkerung ist die Leitdee aller Vorschläge, die sich auf Palästina beziehen. Wir wollen nicht nur Heim, und Schatz für unser Volk schaffen, wir wollen auch Palästina zum Höhepunkt jüdischer geistiger Kultur machen. In Palästina soll die Kulturgemeinschaft des jüdischen Volkes fest begründet werden. Den Nachwuchs heranbilden, die Liebe zur heimatlichen Scholle fördern, die Nationalsprache verlebendigen, — das sind unsere großen Kulturpostulate in Palästina. Palästina ist ein Faktor des jüdischen Lebens geworden, wie es noch nie während der ganzen Dauer der Diaspora war. Die Zusammenhänge mehren sich, tausend Fäden werden gesponnen, unzählige Verbindungen entstehen zwischen Palästina und der Judenschaft der ganzen Welt. Nachdem der Osmanenstaat in die Reihe der Rechtsstaaten eingerückt ist, wird Palästina auch früher oder später ein kulturelles Land werden. Wir werden es sein, wir sollen es sein, die diesen Kulturfortschritt betätigen werden.