Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 374)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 374 — russischen Verhältnisse machen eine Entwicklung dieser Organisation unmöglich, und daher konnte sie sich nicht mehr in Rußland lokalisieren, sondern bemüht sich, nicht ohne einen sichtlichen Erfolg, durch eine Weltorganisation ihre Kräfte zu erhalten. Das Gros des Zionismus in Rußland ist zentralistisch, d. h. es huldigt dem Zionismus ohne jeden Vorbehalt oder Einschränkung und ohne Verbindung mit andern Richtungen. Die Nächststehenden sind die „Ghowewe Zion", von denen sich sehr viele in den zionistischen Reihen befinden. Nächst diesen kommen die Nationalen, die keine Organisation bilden, von denen ein ganz großer Teil dem Zionismus nahesteht, oder richtiger gesagt, einige Teile des zionistischen Programms, besonders der geistigen Arbeit, selbst so betätigt, wie es die Zionisten nicht anders machen könnten. Auserdem existieren weite Kreise, die für den Zionismus oder für die Kolonisation Palästinas große Sympathien haben, ohne zu irgendeiner Organisation zu gehören. Wir können diese Verteilung der Elemente nur ganz skizzenhaft, schildern, aber auch diese skizzenhafte Schilderung fördert sonnenklar ans Licht, wie schwierig und kompliziert, wie zukunftsreich und vielverheißend aber zugleich die Arbeit in Rußland ist. Der Wert einer formellen, sozusagen bureaukratischen Kleinarbeit darf auch dort nicht herabgesetzt werden. Wenn wir die ungeheuren Schwierigkeiten berücksichtigen, unter denen die Arbeit in Rußland gemacht wird, wo es von dem willkürlichen Ermessen jedes einzelnen Reamten abhängig ist, eine Versammlung zu gestatten oder die strengsten Strafen über dieselbe zu verhängen, so müssen wir die Leistungen der russischen Zentrale sehr hoch einschätzen. Unsere Gesinnungsgenossen in Rußland arbeiten in der richtigen Überzeugung und mit dem vollen Rewußtsein, daß sie gegen die Gesetze ihres Landes und gegen die Interessen der Revölkerung absolut nichts unternehmen, was irgendwie in einen Widerspruch mit denselben gestellt werden könnte. Es muß an dieser Stelle noch der Remühungen gedacht werden, die durch die zionistische Leitung gemacht worden sind, um die Vorschriften und Anordungen, welche dort als unerträgliche Härten empfunden werden, zu mildern oder zu beseitigen. Der Präsident der zionistischen Organisation, Herr David Wolffsohn, wandte sich dieserhalb persönlich an die russische Regierung und hielt sich zu diesem Zwecke in Petersburg auf, wo er von den höchsten Vertretern dieser Regierung empfangen worden ist. Seine Vorstellungen, von dem Wunsche beseelt, den maßgebenden Stellen das richtige Verständnis für die zionistischen Ziele und Zwecke beizubringen, fanden, soweit sich das überschauen läßt, eine günstige Aufnahme, und es bleibt nur zu wünschen übrig, daß sich die Regriffe in dieser Reziehung klären, und daß den noch