Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 315 (sequence 315)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3345-3479486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 315 — oder nicht. Über einen einzelnen Fall zu entscheiden, hätte meiner Ansicht nach keinen Zweck. Delegierter Bettelheim: Ich bin durch die Frage, die Präsident Wolffsoh n aufgeworfen hat, zu folgenden Ausführungen angeregt worden. Dan Prinzip der Föderation ist eigentlich ein Lieblingsgedanke von Fl e r z 1 gewesen, der mir bereits vor dem VI. Kongreß den Wunsch ausgesprochen hat, daß sich die ganze Organisation in Föderationen gliedern möge. Ich betrachte das Prinzip der Landsmannschaften überhaupt nur als das Modell, in welches die Form des Kongresses gegossen wurde, bevor wir Gelegenheit hatten, eine andere Organisation zu schaffen. Das Prinzip der Landsmannschaften und der Landesorganisationen hat überhaupt nicht die Priorität vor den Föderationen, die Landsmannschaften sind nicht einem Prinzip der Bewegung entsprungen, sondern es waren von außen kommende Notwendigkeiten, wie die gemeinsame Sprache, die gemeinsame Goldwährung oder ein Landesgesetz,, die mit dem Kongreß nichts zu tun haben. Selbstverständlich wäre es far die Verhandlungen des Kongrosses viel besser, wenn das Prinzip der Föderation einzig und allein auf dem Kongresse vorherrschen würde. Es ist sehr oft Klage geführt worden, daß die Organisation eigentlich keines weitern Wachstums fähig ist. Ich möchte dazu, um längere theoretischs Auseinandersetzungen zu ersparen, ein kleines Bild liefern, welches meine Absicht sofort kennzeichnet. Als die Organisation gegründet wurde, haben sich verschiedene Strömungen zu einer einzigen Idee zusammengefaßt, wie in einem Baume die verschiedenen Wurzeln zusammenlaufen. Der Stamm selbst wächst überhaupt nur bis zu einem gewissen Punkte und dann beginnt das Wachstum der Zweige. Ich betrachte die Föderationen als Zweige, die das Recht haben, sich auszubreiten. (Zustimmung.) Es gibt Leute, die in den Föderationen das Auseinandergehen der Einigkeit erblicken. Es ist im Gegenteil eine gesunde, fruchtbare Ausbreitung. Wir bringen nicht nur die Ideen» sondern auch neue Elemente und hauptsächlich fremde finanzielle Kräfte in die Bewegung, die wir sonst nicht gehabt haben. Ich will nicht auf den speziollen Fall der Misrachi eingehen, sondern noch einmal dararauf hinweisen, daß, wenn man den Föderationen die Bewegungsfreiheit nimmt, dies, dasselbe ist, wie wenn jemand an einem Stamme alle Aste abschneiden wollte. Aber noch ein Moment kommt in Betracht. In verschiedenen Landeso-rganisationen ist es bisher möglich gewesen, daß das Landeskomitee einzelne Personen, die für die Organisation wichtig waren, zu erdrücken vermochte. Ich weiß eine Landesorganisation, wo zwei bedeutende Riesen des Zionismus durch den Willen einiger Leute kaltgestellt wurden. (Rufe: Wer ist das?) Ich will keine Namen nennen. (Rufe: Wer sind die Riesen?) Es ist jenseits des Ozeans. Wie unser Präsident schon bemerkte, können einzelne Persönlichkeiten, wenn sie kaltgestellt werden, ihre Fähigkeit durch Bildung' einer neuen Föderation wieder zur Geltung bringen. Dadurch ist auch die Möglichkeit geboten, alle Reibungsflächen in einer Landesorganisation aufzuheben. Ich möchte wünschen, daß der Kongreß von diesem kleinen Bild den Eindruck gewinne, daß die Bildung von Föderationen gesund und fruchtbar für die Bewegung ist. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Dr. Meisel: Die Ausführungen unseres hochverehrten Herrn Präsidenten möchte ich nicht unwidersprochen lassen, weil sie als eine authentische, mir gefährlich scheinende Interpretation unseres Organisationsstatuts ausgelegt werden könnten. Paragraph 25 unseres Organisationsstatuts lautet: „Zur Gründung einer neuen Föderation ist es notwendig, daß sich mindestens 3000 Schekelzahler zusammenschließen Sie kann sich nur mit Genemigung des E. A. C. bilden." Der zweite Satz wäre überflüssig, wenn die Ansicht unseres hochverehrten Präsidenten richtig wäre, daß das A. C, wenn 3000 Schekelzahler da sind>