Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 234)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476272--3264-3479405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 234 — erwähltes Volk sind. Die Geschichte führt uns ad oculos, und wir sehen, in allen Ländern, wo freiere Zeiten angebrochen sind, ist die Assimilation mit großer Stärke in unser Volk hineingedrungen. Ich könnte Ihnen viele Beispiele geben, wie die türkisch-arabische Assimilation schon Wurzel bei den palästinensischen Juden, sowohl den Sephardim als auch bei den Askenasim faßt. Ich bin sicher, daß, wenn die Freiheit sich entwickeln wird, die Assimilation noch an Bedeutung zunimmt. Deshalb ist es notwendig, die Organisation der palästinensischen Juden durchzuführen, damit sie gegen die Assimilation gut gewaffnet arbeiten können. (Lebhafter Beifall.) Die nationale Idee des Zionismus ist, wie ich schon hier ausgesprochen habe, in Palästina schwächer als in den Golusländern. Sogar starke Geister aus dem Golus, welche nach Palästina kommen, werden degeneriert und geschwächt. Wir müssen dort ein zionistisches Milieu schaffen, das uns Zionisten die Arbeit leichter macht und welches wirklich das Judentum vereinigen und organisieren soll. (Lebhafter Beifall.) Von Konstantinopel und von den Delegierten hören wir immer, es sollen sich alle Völker, welche in der Türkei wohnen, zusammentun, ohne das Prinzip der Einheit des ottomanischen Reiches in irgendwelchem Sinne zu stören. Nur die Massen, welche größer und besser organisiert sein werden, welche also ein größeres spezifisches Gewicht haben, werden in Zukunft siegen. Warum organisieren sich die Araberr stark und gut in Palästina und Syrien? Jeder, der die Zustände beobachtet, wreiß, daß die Araber von Tag zu Tag stärker werden. Das ist die arabische Bewegung, und man merkt, daß wir nicht organisiert sind, und daß unsere eigene Hand von oben zu furchtsam ist und durch verschiedene Bedenken sich selbst nicht getraut und erlaubt, die Zügel etwas locker zu lassen, damit wir uns organisieren. Es ist hoch an der Zeit, daß wir uns organisieren. (Lebhafter Beifall). Der Palästinarat, — eine Veranstaltung, von der wir von Anfang an nichts anderes erwarten konnten, als das sie ein totgeborenes Kind ist, — ist endlich zu Grabe getragen worden; aber es ist nötig, daß ein organisierter Palästinarat von den Juden geschaffen wird. Es muß vorsichtig und lange gearbeitet weiden, aber die Initiative muß von unserer höchsten Instanz, vom Kongreß kommen. Das dortige Bureau muß beauftragt werden, das zustande zu bringen, sonst ist die Sache von Haus aus schlecht. (Beifall.) Wir haben viele Projekte in den Kolonien, welche nicht würdig sind, als Histadruth von Erez Jisroel zu gelten. Wir haben verschiedene Vereinigungen, welche auf eigene Verantwortlicher!; arbeiten, aber allgemeine Histadruth haben wir nicht, welche nach einer zionistischen Schablone berufen werden sollen, um alle Parteien und Richtungen in einer großen jüdischen Organisation zu vereinigen. Dazu sind eigentlich nur unsere Leitung und ihre Vorsteher in Palästina berufen. Daher stelle ich den Antrag, daß die vierte Aufgabe des Bureaus die Organisation des palästinensischen Judentums bilden soll. Damit aber wir Zionisten, welche dort an Ort und Stelle schon wohnen und wohnen werden, die Möglichkeit haben, wirklich das zu kontrollieren, ist es unbedingt nötig, daß wir nicht unter den Bedingungen der Ausnahmegesetze bleiben sollen, wie in Rußland. Wenn wirklich Dalmatien und Kroatien usw. das Recht von oben erhalten haben, als Landsmannschaft mit einem Landeskomitee zu fungieren, warum "sollen wir armen