Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 167)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 167 — sehen. Der Jüdische Nationalfonds muß lawinenartig wachsen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Er wird immer größere Dimensionen annehmen, je mehr wir durch die Tat beweisen, daß wir in ernster Arbeit eine nützliche Grundlage für die Regeneration des jüdischen Volkes zu schaffen imstande sind. Wenn erst dann unsere wohlhabenden und reichen Kreise ihr Interesse diesem Fonds zuwenden, dann zweifle ich keinen Augenblick, daß auch diejenigen unter uns, die nicht mehr allzu jung sind, den Tag erleben mögen, wo der Nationalfonds der Erreichung seines Zweckes nahe ist, die Ackerscholle unserer Väter wieder in den Besitz des jüdischen Volkes zu bringen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr. Nordan: Die Synagogengemeinde Lodz schreibt den Kongreß mit der Spende von 100 Rubel in das Goldene Buch ein. (Beifall.) Für die Arbeitergenossenschaft, die auf Grund des Programms des Herrn Dr. Oppenheim er die erste Siedlungsgenossenschaft in Palästina bilden soll, sind hier in unserm Kreise seit Beginn des Kongresses bisher Zuwendungen im Gesamtbetrage von 10000 Frs. gezeichnet worden. (Lauter Beifall und Händeklatschen.) Nunmehr erteile ich das Wort Herrn Dr. Syrkin zu einer Erklärung, nach welcher ich die Sitzung schließen werde. Delegierter Dr. Syrkin: Verehrte Kongreßmitglieder.' Ich bin :ds einer, der auf dem Siebenten Kongreß die Spaltung im Zionismus angekündigt hat, dem zionistischen Kongreß eine. Erklärung und Deklaration schuldig, welche meinen Wiedereintritt in die zionistische Organisation begründen soll. (Lebhafter Beifall.) Für den Zionismus, als einen politischen und sozialwirtschaftlichen Begriff, ist die Landfrage irrelevant, allein die Machtlosigkeit, der Mangel an schöpferischen Kräften innerhalb unseres unglücklichen Volks hat den Territorialismus zu einer Illusion gemacht (Zustimmung), und in der Machtlosigkeit, der Jüdischen Nation liegt die Macht des Palästinismus. (Hört, hört!) Imponderabilien und irrationelle Motive erweisen sich hier stärker als organisatorische Pläne (Beifall), und auf diese Weise ist der große territorialistische Traum .zu Grabe getragen worden. (Hört, hört! und lebhafter Beifall. Zuruf: „Er hat nie gelebt!") Innerhalb des jüdischen Volkes hat die territorialistische Idee keinen großen Boden gehabt. Die jüdische Großbourgeoisie und das jüdische Bürgertum haben im Territorialismus ein schlechtes Geschäft erblickt, und das jüdische Proletariat und die jüdischen Sozialisten, welche die Träger des territorialistischen Gedankens waren, waren innerlich in verschiedene Parteien und Parteiungen gespalten und erwiesen mehr Charakter und Mut in der Kritik, als in der aufbauenden Tätigkeit. (Lebhafte Zustimmung.) Darum ist es kein Wunder, daß der Leiter des Territorialismus, Israel Zangwill, zu dem seltsamen Paradoxon sich verstiegen hat, daß die jüdische Plutokratie, diese häßlichste Erscheinung der jüdischen Geschichte, das größte Werk der jüdischen Geschichte, die territoriale Befreiung der jüdischen Nation, vollbringen werde. Das war der größte Irrtum des Führers der Ito. Nach langem Suchen und langem Forschen und langer imbarmherziger Kritik des Palästinismus ist der Territorialismus durch die Macht der Verhältnisse wiederum in die Grenzen Palästinas geraten. (Hört, hört! und lebhafter Beifall.) Schon die Expedition der Ito nach Cyrenaica ist der erste faktische Annäherungsversuch des Territorialismus an den Zionismus, und als die türkische Revolution ausbrach, wurde eine neue Grundlage für die Vereinigung des Territorialismus und des Zionismus geschaffen. Große kolonisatorische Perspektiven eröffnen sich in Palästina. Palästina ist ein Territorium geworden. Das Land der Väter ist zu gleicher Zeit auch das