Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 43)
- Language
- German, English, Hebrew
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- Odesa 2× ep/1000834
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Sie sehen, mit welchen Mitteln man uns bekämpft, und zwar sind es Leute, die auf diese oder jene Weise mit dieser Organisation in Verbindung stehen. Hier liegt vor mir das offizielle Organ der Alliance Israelite Universelle. Da steht .schwarz auf weiß die berühmte Rede Goldbergers. Diese Rede war etwas Furchtbares. Das sollten Sie viel schärfer bekämpfen, als wir es getan haben. Wurde etwas getan und etwas unternommen, um mit andern Organisationen in Verbindung zu treten? Darauf kann ich Ihnen die sicherste Antwort geben: Nichts wurde getan. (Ruf: Woher wissen Sie das?) Ich muß Ihnen sagen, daß wir die Mitwirkung aller jüdischen Organisationen brauchen, wenn wir tatsächlich etwas erreichen wollen. Die praktische Arbeit in Palästina haben nicht wir, sondern andere Organisationen geleistet. Das ist eine Tatsache, die wir zugestehen müssen. Was durch die zionistische Organisation auf palästinensischem Gebiete geschaffen wurde, verdanken wir nicht dem Herrn Präsidenten, sondern das verdanken wir dem Präsidenten des Palästina-Ressorts, dem Herrn Prof. Warburg, ihm ganz allein. (Lebh. Beifall und Händeklatschen.) Eben deshalb wurde dieser wirklich einzige tätige Mann in unserer Leitung auf eine unerhörte Weise von einem Direktor unserer Bank angegriffen, von Herrn Josef Co wen. (Lebhafte Hört, hört!-Rufe und Pfui-Rufe.) Wenn der Kongreß wirklich dieses Verantwortlichkeitsgefühl hat, so muß ich gegen das Benehmen des Mr. Josef Co wen auf das energischste protestieren. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) In einem wirklichen Parlamente würde ich folgenden praktischen Vorschlag machen, nämlich unserer Leitung kein Vertrauen auszusprechen. Ich werde meinen Vorschlag in einer Weise formulieren, die für unser Parlament paßt und werde mich eines Wortes von Herrn Dr. Nord au bedienen. Er sagte, die jüdische Leitung muß noch außerhalb des türkischen Reiches sein. Jawohl! Außerhalb des türkischen Reiches, aber doch nicht außerhalb der großen jüdischen Zentra soll die Leitung sein. Unsere Leitung kann nicht in Köln sein. Köln mag für die Katholiken eine große Bedeutung haben. Ich will nicht gegen Personen sprechen, sondern spreche sachlich. Ich bin der Uberzeugung, daß die Leitung des Zionismus in einem großen jüdischen Zentrum sein muß, wo wir wenigstens den Puls der jüdischen Masse und des jüdischen Gefühls schlagen hören, in einer Stadt wie Berlin. (Dr. Loewe: Puls der jüdischen Masse in Berlin, nebbich! — Unruhe und Zwischenrufe.1, Meine Herren! In ein paar Jahren werde ich Ihnen eine andere Stadt vorschlagen. Ich werde Ihnen dann Wilna vorschlagen. Gedulden Sie sich, bis wir dort die Freiheit haben. (Rufe: Charkow, Odessa! — Großer Lärm,} Mein erster praktischer Vorschlag ist folgender: Wir müssen unbedingt diesem Kongresse eine tatsächliche Unterlage zu seiner Arbeit geben. Die muß vor allem eine sachliche sein, und dazu wird sich Gelegenheit bieten bei der Frage der Palästinaarbeit; wir werden darauf bestehen, daß die Palästinaarbeit einen großen, breiten Raum einnehmen und nicht aus einem bloßen Vortrag bestehe. Ein anderer Vorschlag ist die Reorganisation der Leitung, die Verlegung derselben nach einer andern Stadt (Dr. Loewe: Odessa). Herr Dr. Loewe, daß Sie in Berlin wohnen, habe ich bisher für einen Vorzug gehalten, der für Berlin spricht. Wir brauchen eine Stadt, wo mehr jüdische Kräfte sind (Lärm und Schlußrufe). Wenn wir keinen Adler haben . . . (Rufe: In Köln haben wir ihn auch nicht!). .. so nehmen Sie die dii minores, die vielleicht als Kollegium diese Arbeit leisten können, etwa ein fünf- oder siebengliedriges Kollegium, und drittens schlage ich die Wahl einer zehngliedrigen Kommission vor zur Durchsicht aller mit Palästina zusammenhängenden Fragen. Meine Damen und Herren! Sie waren so zufrieden, als man heute die Vertreter begrüßt hat, die aus dem türkischen Reiche gekommen sind. Es ist aber typisch für unsere Leitung, daß sie hier nicht begrüßt hat die Vertreter, die aus einer andern Gegend kamen, Vertreter, die nicht bloß potentielle Kraft vorstellen, sondern lebendige Kraft. Das sind die Vertreter der