Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3037-3479178
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wägung ist so natürlich und so naheliegend, daß sich ihr nur jemand verschließen kann, dem Voreingenommenheit den Blick getrübt hat. Es ist daher natürlich, daß die Neugestaltung in der Türkei eine zukunftsfreudige Begeisterung unter uns erregt hat. Es war wie eine aus dem Grabe erstandene Hoffnung. Wir, das alte Volk des Orients, freuten uns über dieses Erwachen des Orients zu neuem Leben. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir, die treuesten Freunde der Türkei, des Landes, welches in den schwersten Zeiten unserer Leiden unsere Flüchtlinge liebevoll geborgen hat, freuten uns über den riesigen Fortschritt, den dieses von ritterlichem Geiste beseelte Volk gemacht hat. (Stürmischer Beifall.) Wir waren stolz darauf, daß auch unsere Brüder dort für die Freiheit mit gekämpft (anhaltender Beifall und Händeklatschen), ihr Blut um der Freiheit willen hingegeben und ihren sterblichen Teil der Idee des Fortschrittes geweiht haben. Und wir waren besonders als Zionisten hocherfreut darüber, daß auch in Palästina der Freiheit eine Gasse geöffnet wurde. (Erneuter Beifall.) Niemand hat die frühern verwahrlosten Zustände tiefer empfunden als wir, die wir ja schon auf eine mühevolle kolonisatorische Tätigkeit unserer Brüder zurückblicken können, und niemand begrüßt deshalb lebhafter als wir die Aussichten der Einführung grundlegender Keformen. Die Gestalt unserer Arbeiten steht jetzt fester umrissen denn je, und über unsern Beziehungen zur neuen Türkei liegt der Sonnenschein der Klarheit. Die jüdische Nation, die in Liebe und altheiliger Erinnerung über Palästina wacht, erblickt ihre historische Mission und ihre Ehrenpflicht darin, dort in friedlicher Arbeit auf dem festen Boden der neugeschaffenen Verfassung, in Übereinstimmung mit den Interessen des ottomanischen Staates, ihre wirtschaftliche und geistige Leistungsfähigkeit in einer Weise zur Geltung zu bringen, die niemanden zum Nachteil gereichen, sondern allen zugute kommen wird. (Allgemeine Zustimmung.) Wir können keinen Gegensatz finden zwischen ottomanischen Interessen und zionistischen Bestrebungen. Es soll nicht getrennt werden, was zusammen gehört und sich gegenseitig ergänzt! Wohl spukt noch wie ein altes Gespenst das Vorurteil, das in manchen Gemütern die Gewalt eines ängstlichen Aberglaubens erreicht hat, der Zionismus könne als eine Tendenz aufgefaßt werden, die dem Einheitsgedanken der ottomanischen Monarchie widerstrebe: Dem gegenüber erklären wir feierlichst: „Die ottomanische Staatseinheit, die Weltmachtstellung und die innere Wohlfahrt dieser Monarchie, ihr Schutz und die gedeihliche Entwicklung ihrer Gesamteinrichtungen sind die selbstverständliche Voraussetzung all unserer Arbeiten. (Lebhafter Beifall.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.