Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 339)
- Language
- German, English, Hebrew
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VI. TAG Dienstag, 20. August NACHMITTAGS-SITZUNG BEGINN: 3 UHR 45 MINUTEN Präs. Wolffsöhn: Ich eröffne die Sitzung und erteile das Wort Herrn Dr. Engel, indem ich ihn ersuche, die Liste der 21 Mitglieder der Kommission für nationale Erziehung in der Diaspora zu verlesen. Del. Dr. Engel: Es ist ganz klar, daß die Liste, die ich verlesen werde, nicht eine vollständige sein wird, denn aus Ihrer Mitte wird eine Reihe von Vorschlägen kommen und die Kommission hat auch das Recht, sich weiter zu verstärken. Es wurden vorgeschlagen: Dr. Ehrenpreis, Sokolow, Dr. Nacht, Dr. Niemirower, Dr. Nossig, Struck, Feiwel, Schatz, Klausner, Braude, Sch. Lewin, Dr. Daiches, Dr. Gaster, Lurie, Rabinowicz, Klerekooper, Brainin, Bogratschow, Dr. Tschlenow, Dr. Engel, Prof. Warburg, Bokor, Sacher, Dr. Mahler. Ich bitte, diese Herren per Akklamation zu wählen. Präs. Wolffsöhn: Ist ein Widerspruch? (Niemand meldet sich.) Diese Herren sind gewählt. Del. Dr. Reich: Geehrter Kongreßl Im Anschluß an das Referat über die nationale Erziehung in der Diaspora gestatte ich mir hier eine Resolution vorzulegen und bitte um deren Annahme. Vor kurzer Zeit ging die Trauerkunde durch die europäische Presse und fast alle jüdischen Blätter, daß einer omserer größten nationalen Dichter, dessen "Lieder viele von uns entzückten, sehr viele begeisterten und in Bewunderung versetzten, aus dem Leben geschieden ist, ja es hieß sogar* daß er des Hungertodes gestorben ist. Glücklicherweise erwies sich diese Nachricht als eine Mystifikation und es wurde zu unserer Freude bekannt, daß der Dichter lebt. Er lebt allerdings, aber fragt mich nur nicht wie. Es erschien ein Brief aus der Feder Morris Rosenfelds, in welchem er erklärt, daß er leider lebt, daß ihm aber der Tod viel lieber gewesen wäre, als ein Leben voller Qual und Kummer. In manchen Blättern hieß es, daß dieser Brief nicht authentisch ist, sondern daß der Dichter Morris Rosenfeld in einem Badeorte weilt und von manchen amerikanischen Wohltätern unterstützt werde. Wenn es aber zu einer solchen Mystifikation kommen kann, wenn fortwährend von dem gräßlichen Elend des Dichters geschrieben wird, so mag vielleicht die Größe seiner Armut streitig sein, die Armut selbst, sein Elend, seine Not steht aber außer Zweifel. Und wenn gestern hier von der nationalen Erziehung gesprochen wurde, so glaube ich, daß es ein Hauptgebot der nationalen Erziehung ist, unsere Jugend allmählich in den Schatz der nationalen Poesie und Kunst einzuführen, unserer Jugend Hochachtung und Liebe zu unseren nationalen Größen ...