Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 339 (sequence 337)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 339 — fangen können. (Lebhafte Zwischenrufe.) Herr Sokolow, ich lasse jetzt keine Debatte mehr über den Antrag zu. Der Antrag ist derartig gestellt, daß der Kongreß tatsächlich nicht in der Lage ist, ihn anzunehmen, weil er Gefahr läuft, sich lächerlich zu machen. (Lebhafter, langanhaltender Beifall. — Unruhe.) Ich bitte nun den Antrag noch einmal zu verlesen. Del. Sokolow (liest): „Der Kongreß beschließt, die hebräische Sprache als offizielle Sprache der zionistischen Bewegung, ihrer leitenden Stellen, ihrer Kongresse 'und Konferenzen prinzipiell anzuerkennen und praktisch sukzessive einzuführen. Unsere nationale Sprache wird hiermit für den Zionismus obligatorisch. Nur aus Rücksicht auf die Notwendigkeit der Popularisierung der Idee bleibt es der Organisation anheimgestellt, sich neben der hebräischen Sprache auch anderer Sprachen zu bedienen." (Uebersetzt den Antrag sodann ins Hebräische.) Präs. Wolffsolm: Wer für den Antrag Sokolow ist, erhebe die Hand. (Geschieht.) Ich bitte um die Gegenprobe! (Nach vorgenommener Gegenprobe) : Der Antrag ist angenommen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Stürmischer Widerspruch. — Langandauernder Lärm.) Del. Dr. Heymann: Herr Präsident, ich bitte um das Wort zu einer Erklärung. Präs. Wolf f söhn: Herr Dr. Hey mann hat das Wort. Del. Dr. Heymann: Ich protestiere gegen die Abstimmung vor fast leerem Hause. Wenn die Abstimmung vor vollem Hause vorgenommen worden wäre, dann wäre der Antrag Sokolow sicher abgelehnt worden. So wie die Dinge liegen, waren nur Freunde des Antrages hier, während die anderen Delegierten den Saal schon längst verlassen haben. (Langandauernder Lärm. — Präsident gibt unausgesetzt das Glockenzeichen.) Präs. Wolffsolm: Ich bitte um Ruhe, meine Herren. Der Kongreß, der soeben über diesen Antrag abgestimmt hat, sieht wirklich nicht danach aus, als wenn er bei dem nächsten Kongreß hebräisch sprechen würde. (Heiterkeit.) Wenn wir weiterarbeiten wollen, dann müssen die Herren die Plätze einnehmen. (Der Lärm dauert fort.) Ich bitte um Ruhe, ich habe einige Mitteilungen zu machen. Der Empfang bei Herrn und Frau Kann findet heute abend (Del. Dr. Bodenheimer: In hebräischer Sprache, bitte ich! — Heiterkeit.) statt. Sie sind alle dazu eingeladen und werden gebeten, sich um 9 Uhr dorthin zu begeben. Es wird gut sein, wenn Sie sich nach des Tages Arbeit etwas erholen können. Der „Jüdische Frauenbund für Kulturarbeit in Palästina" läd alle auf dem Kongreß als Delegierte oder als Gäste anwesenden Damen zu einer Versammlung ein, welche um 21/2 Uhr nachmittag im großen Saale des Landsmannschaftsgebäudes in der „Hochdeutschen Schauburg" stattfindet. (Del. Dr. Tschienow übersetzt diese Mitteilung ins Hebräische.) Präs. Wolffsolm (verliest eine Mitteilung in hebräischer Sprache. — Stürmischer Beifall und Händeklatschen. — Zahlreiche Rufe: Uebersetzen ins' Deutsche! Uebersetzen ins Russische! Uebersetzen ins Französische! — Schallende Heiterkeit.) Meine Herren! Alle, die Hebräisch verstehen, sollen sich versammeln, habe ich verkündet. Das ist also nichts für Sie. (Lebhafte Heiterkeit.) Die Vertreter der Presse werden ersucht, sich nebenan im Garten behufs photographischer Aufnahme einfinden zu wollen. Die „Misrachi" versammeln sich sofort nach Schluß dieser Sitzung in der „Hochdeutschen Schauburg". Dienstag nachmittag 21/2 Uhr findet im Saale des großen A. C. eine Beratung über die jüdische Emigration statt. Alle diejenigen, welche