Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 289 (sequence 287)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476270--2864-3479004
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 289 — daß wir jetzt unter ungeregelten Verhältnissen Kolonisation betreiben müssen, daß dies die Konzeption des Zionismus sei, das ist für mich ganz unfaßbar. Ferner: verwechseln wir hier nicht zwei Dinge. Die Arbeit in Palästina ist für jeden von, 'uns eine; entzückende Auf gäbe — darüber ist kein, Zweifel. — aber eine Volksbewegung ist sie nicht. Was jeder von uns in Palästina leisten kann, wird er aus innerem Drange tun, weil er sich dadurch die Möglichkeit schaffen will, sich voll und ganz! auszuleben. Er wird gewissermaßen individuell seine Frage lösen, aber wer von uns nach Palästina geht, möge sich nicht anmaßen, zu glauben, daß er schon den Weg ztum Zionismus bahne, sondern er bereitet sich selbst nur einen ungeheuren Genuß. Ich kann Ihnen sagen, als' ich in Palästina war, habe ich eine ungeheure Freude darüber empfunden, dort im Lande ziu sein. Und jahrelang konnte ich nicht vergessen, daß ich aus dem Lande fortging und jahrelang hat mich die Frage beschäftigt, wie sehr möchte ich wieder in diesem Lande leben! Aber werde ich deshalb kommen und dem jüdischen Volke sagen; solches ist die Lösung der Judenfrage? Ich werde sagen: sehet, wie schön das Land ist, ich werde ihm klar machen, welche Bedeutung Palästina für uns hat, aber ich werde nie die Schlußfolgerung daraus ziehen, daß dies an iund für sich schon eine gewaltige Volksbewegung bedeute. Es ist eine Art poetischer Nuance in unseren Bestrebungen, es ist eine zionistische Ausführung des sich national Auslebens, aber das ist, noch nicht zionistische Arb eit. Der Zionismus hat danach zoi streben, daß er genau das alte Prinzip der territoriellen Zusammenfassung und Konzentration der Juden in Palästina aufgestellt und nichts anderes. Es ist hier davon die Rede gewesen, daß Palästina schon jetzt eine gewaltige Bedeutung für die nationale Erziehung der Juden in der Diaspora habe. Welch einer verführerischen Selbsttäuschung könnten wir uns da hingeben! Die Bedeutung, welche Palästina selbst bei größter Anspannung aller unserer Kräfte in Palästina in nationaler Beziehung hat, ist doch nicht so gewaltig, daß sie für das jüdische Leben schon unter diesen Verhältnissen von entscheidendem Werte werden kann. Ich befürchte, daß das jüdische Leben der Diaspora jene sehr erwünschten Leistungen sehr leicht hinwegfegen könnte. Ich befürchte sogar, daß die Wirkungen der von assimilatorischen Mächten umdrängten Diaspora keineswegs so unwesentlicher Natur sind, daß die Einflüsse einer winzigen Kolonie diese Schäden wirklich beheben könnten. Etwas anderes ist es, und in dem Moment tritt eine Umwälzung ein, wenn wir die Möglichkeit haben, dort eine größere geschlossene Judenheit ziu besitzen. Dann werden wir genug Juden finden, welche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.