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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 230

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 230 (sequence 228)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476270--2805-3478945
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— 230 — merklicher. War die Bukowina, dieses einst zur Moldau gehörige Gebiet, das der Pforte Untertan war, bei Besetzung durch Oesterreich dazu bestimmt, lediglich eine Verbindung Galiziens mit Siebenbürgen herzustellen, so hat es unbeabsichtigt eine ganz andere Mission erfüllt. Die Bukowina wurde zu einer Oase westlicher Kultur in halbasiatischen Ländern und die Kulturträger sind vornehmlich die Juden d es Landes. Was aber das eigene Volkstum anbetrifft, sind die Juden der Bukowina zwischen Ost- und Westjudentum stecken geblieben. Keine Spur von jenem östlichen Judentum, wie es in Galkien pulsiert und zum unversiegbaren Quell jüdischen Lebens für die ganze Welt geworden ist. Der orthodoxe Jude, der seine Tracht und Speisegesetze wie ein Heiligtum wahrt, ist in der Bukowina ein ganz anderer Mann als im Nachbar lande. Eine halbe Stunde von der blühenden Landeshauptstadt Czernowitz entfernt liegt das armselige Nest Sädagora; Hier inmitten verfallener Hütten die „Klaus" und die Burg des Wunderrabbi, dort, unweit dem Prachtbau der gr. or. erzbischöflichen Residenz, eine deutsche Universität. In diesem Gegensatze liegt der Anfang der Entwicklung. Die Judenschaft der Bukowina hat neben westlicher Kultur, ich möchte fast sagen, ein Spiegelbild des östlichen Volkstums stets vor sich, und so ist der Bukowinaer Jude einerseits kein Westjude im landläufigen Sinne, weil jene geistigen Reflexionen, wie sie die antisemitische Umgebung im Westen hervorgebracht, hier nicht in Betracht kommen, andererseits aber, auch kein Ostjude,; weil Bukowinäer Juden und G a| 1 i z i a n e r Juden, jener Welttypus der östlichen Volksgenossen in unserer Monarchie, grundverschieden voneinander sind. (Unruhe. — Rufe: Zur Sache!) Die Mehrheit der Bukowinaer Juden hat mit der traditionellen Tracht und anderem Beiwerk der Orthodoxen längst gebrochen. Der Kampf dieser mit den „Modernen", der zur Spaltung der größten Kultusgemeinde einst führte, hat unter Patronanz der Regierung mit einem Siege der letzteren geendet und hassidistische Vertreter, die aber ihre Sabbatmütze wohlverwahrt im Schrein halten, sind bloß als Experten für rituelle Institutionen beibehalten worden. Es sind die letzten Mohikaner einer abgestorbenen Richtung, deren Söhne und Enkel die Gyrrinasien und die Universität . des Landes füllen und die selbst bei festlichen -Angelegenheiten außerhalb der Synagoge den traditionellen Kaftan mit einem deutschen „Schlußrock", das „Streimel" mit Zylinderhut vertauschen und die noch Sadagora, Wiznitz oder Bojan, den Sitzen von Wünderrabbinern, gravitieren — aus Pietät. Dieser „Ostjude" ist wohl ein anderer, als der aus Galizien, als der aus Rußland eingewanderte Menschenschlag,, der um die Rabbihöfe sich gelagert hat und die Verwechslung mit jenen echten Ostjuden mächtig fördert. Nichtsdestoweniger — so merkwürdig es klingt — tritt uns eine Art Nationalismus der Bukowinaer Juden entgegen, der dem Lande den Stempel des Jüdischen aufdrückt und bei Schriftstellern das Epitheton „Klein-Jerusalem am Pruth" oder „Jüdisches Eldorado Oesterreichs" eingetragen hat. Dieser Nationalismus unserer Volksgenossen im Buchenlande ist nicht auf religiöser Gründlage, wie zumeist bei den galizischen, aufgebaut Die Bukowinaer Juden haben sich von allem Anfang-an weniger um die Synagogen und Ritualbäder gekümmert, als um den politischen Einfluß im Lande. Und so konnte es kommen, daß, während bei den Zionismen Oesterreichs noch zaghaft der Ruf nach jüdischer Realpolitik in verschwommenen theoretischen Ansätzen vorbereitet wurde, im kleinen Kronland Bukowina, an der Grenze von Rußland, Rumänien und Siebenbürgen, bereits jüdische Realpolitik längst in die Tat umgesetzt war. Es ist dies nicht ein Verdienst. bestimmter Männer, sondern eine Folge der eigenartigen Verhältnisse. In allen Körperschaften eine erkleckliche Anzahl jüdischer Vertreter. Ein sukzessives Vorwärtsschreiten bis zum Gipfelpunkt. Im Parlament seit jeher, letzthin in den österreichischen Dele-

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